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Juliane Pempelfort im Interview: "Jede Szene ist ein spannender Krimi"

Juliane Pempelfort im Interview: "Jede Szene ist ein spannender Krimi"

Juliane Pempelfort wird zur Königin. Am Samstag hat „Maria Stuart“ im Opernhaus Premiere.

Wuppertal. Christian von Treskow lässt Friedrich Schiller sprechen: Der Schauspiel-Intendant setzt „Maria Stuart“ in Szene. Das Trauerspiel feiert am Samstag um 19.30 Uhr Premiere im Opernhaus. Die WZ lässt vorab Juliane Pempelfort sprechen — die Schauspielerin wird in Barmen zur Königin.

Frau Pempelfort, erst Lulu, dann Nora, nun Elisabeth — an den Wuppertaler Bühnen spielen Sie regelmäßig Frauen, die nicht kleinzukriegen sind, auch wenn sie vom Schicksal in die Knie gezwungen werden. Wird das auch Ihrem privaten Charakter gerecht?

Juliane Pempelfort: Ich glaube, ich bin ganz gut darin, mich nicht so schnell unterkriegen zu lassen. Aber im Ernst: Das Tolle an meinem Beruf ist ja, sich auch mal Eigenschaften aneignen zu können, die man selbst gar nicht ausgeprägt hat, manchmal aber ganz gerne hätte.

Am Samstag feiern Sie Premiere als Königin von England. Wie würden Sie Elisabeth I. charakterisieren?

Pempelfort: Über Elisabeth wissen wir ja sehr viel, schließlich wirkt das von ihr begründete „Goldene Zeitalter“ bis heute nach. Sie hatte alles, was man zur Führung eines Staates brauchte: die entsprechende Ausbildung als zukünftige Thronerbin, sicherlich eine überdurchschnittliche Intelligenz und hervorragende Menschenkenntnis sowie Beobachtungsgabe, gepaart mit einer Beharrlichkeit und Durchsetzungsstärke, ebenso Demut und die Kunst der Verstellung.

Was hat sie zu dem gemacht, was sie ist?

Pempelfort: Sie verbrachte selbst ihre Jugend im Tower, eingesperrt und an Leib und Leben bedroht durch ihre Halbschwester, „Bloody Mary“. Auch der frühe Hinrichtungstod ihrer eigenen Mutter hat sie sensibilisiert und auf das tägliche, wechselvolle politische Geschäft vorbereitet. Als Schauspielerin bin ich natürlich dankbar für ihre unvorhersehbaren Meinungsumschwünge, ihre Unberechenbarkeit und ihre perfekte Beherrschung der Hinhaltetaktik. Und natürlich ist innerhalb ihrer bescheidenen Haltung, allein für das Beste ihres Volks zu leben und zu wirken, zu spüren, dass das Ich — ihr persönlicher Wille zu herrschen — enorm groß ist.

In Schillers Trauerspiel stehen sich zwei starke Frauen gegenüber: Maria Stuart, die aus Schottland fliehen musste, wo sie ihre Macht durch Mord und Intrigen verspielt hatte, und Elisabeth, die sich nicht entscheiden kann, wie mit der Gefangenen zu verfahren sei, von der sie annimmt, dass sie gefährlich werden könnte. Hätten Sie genauso gehandelt wie Elisabeth?

Pempelfort: Dass sie sich in diesem Punkt nie festlegen lassen wollte, ist natürlich genial. Mal abgesehen davon, dass es ihre eigene Position als Königin geschwächt hätte, ein gekröntes Haupt anzutasten. Dennoch unterschreibt sie das Todesurteil, die tatsächliche Deutung ihres Willens überlässt sie anderen. So sagt sie auch in Schillers Stück: „So muss mein Anteil an ihrem Tod in ew’gem Zweifel bleiben.“ Ich persönlich bin nur froh, nicht in einem solchen ausweglosen Dilemma zu stecken.

„Maria Stuart“ dürften die meisten Zuschauer aus der Schule kennen. Was ist Ihre ganz persönliche Beziehung zum Stück?

Pempelfort: Mir selbst ist Schillers Dramentheorie noch aus dem Deutschunterricht bekannt. Dass hier zwei Frauengestalten gegenübergestellt werden, die beide gleichermaßen — eben je nach Perspektive — Anspruch auf den Thron erheben dürfen, so dass es unmöglich ist, sich richtig zu verhalten, ohne sich dabei ins Unrecht zu setzen, macht für mich den besonderen Reiz dieses Stückes aus. Außerdem empfinde ich Schillers gebundene Sprache interessanterweise als ziemlich alltagstauglich und eingängig. Ich habe viel Freude daran.

Auf welche Szene freuen Sie sich am meisten?

Pempelfort: Kein Zweifel: Jede Szene in diesem Stück ist ein hochspannender Krimi. Ich freue mich auf jede davon. Aber den größten Spaß hat man doch immer an Kleinigkeiten oder an Sätzen, die Kollegen sagen, die man komisch findet, weil man plötzlich absurde Bilder dazu im Kopf hat. „Die Königin jagt in dieser Gegend“ ist so einer — da könnt ich mich wegschmeißen.

Sie haben in Wuppertal gleich mehrere Hauptrollen gespielt, die das Publikum so schnell nicht vergessen dürfte. Gleichzeitig wissen Sie jedoch, dass Ihr Vertrag ausläuft und das Ensemble nach dieser Spielzeit aufgrund des Intendantenwechsels ausgetauscht wird. Kann man das auf der Bühne ausblenden - oder ist es, im Gegenteil, ein Anreiz, „jetzt erst recht“ alles zu geben?

Pempelfort: Es ist schon ein komisches Gefühl. Normalerweise haben wir vor der Eröffnungspremiere Wiederaufnahmen von anderen Stücken und jede Menge Vorstellungen. Durch den zusätzlichen Wegfall der kleinen Spielstätte in dieser für uns letzten Spielzeit — mal abgesehen von personellen Veränderungen durch den Intendantenwechsel — fehlt jetzt dieser eigentliche Theaterbetrieb. Auch die Kollegen der anderen Sparten haben in dieser Spielzeit deutlich weniger zu tun. Das gefällt niemandem und ist nicht wegzudenken.