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Jubel, Zorn und Begeisterung

Jubel, Zorn und Begeisterung

Die Bergische Kantorei singt Werke von Bach und Händel.

Gewissenhafte Chorleiter wählen Werke aus, die ihre Laiensänger bewältigen können, sie aber ebenso angemessen fordern. Am Samstag ging diese Rechnung auf: Matthias Lotzmann studierte für das Osterkonzert mit der Bergischen Kantorei in der Alten Kirche Wupperfeld zwei frühe Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel ein.

Die Kantate "Christ lag in Todesbanden" dürfte Bach als etwa 23-Jähriger geschrieben haben. "Dixit Dominus" entstand 1707, als Händel 22 Jahre alt war. Das Bach-Werk ist eine Choralvariation in sieben Sätzen, wobei dem Chor zwei Verse zukommen. Mit viel Singfreude gestaltet er seine Parts. Gut gewichtet, homogen und meist sicher intonierend erklingen die Stimmengruppen, nur den Männerabteilungen des engagierten Chores wünscht man deutlichen Zuwachs.

Auch mit der Streicherbesetzung des Bergischen Kammerorchesters ist das Klangvolumen bestens abgestimmt. Den dramaturgischen Höhepunkt im fünften Vers "Es war ein wunderlicher Krieg, da Tod und Leben rungen" singen die vier Solisten mit angenehmer Stimmenmischung, auch in den eng geführten Fugenteilen nachvollziehbar - und die eingeworfenen Achtel werden rhythmisch betont.

Jutta Hotz glänzt mit leicht timbriertem Sopran und klaren Höhen, Heike Bader (Mezzosopran) mit runder, ausgewogener und voller Mittellage. Tenor Marco Schweizer, mit glatter und strahlender Stimme, überzeugt im Solo des dritten Verses mit sauberen Jubelkoloraturen. Im Bass-Solo von Rainer Kilius, der mühelos in der Tiefe agiert, könnten sich die Instrumente noch mehr zurücknehmen.

Gefordert ist der Chor im Händel-Werk, das die Inthronisation eines Fürsten in opernhaften Zügen und angelehnt an die italienische Instrumentalmusik der Zeit beschreibt. "Dominus a dextris tuis" ist ein imposanter Chorsatz mit polyphoner Stimmenführung. Furcht und Qual des Menschen im Angesicht des Jüngsten Gerichts beschreiben chromatische Wendungen und dissonante Klänge - hier werden sie von Soli und Chor im breiten Fluss anschaulich vorgetragen.

Aufgeregte Streichertremoli beschreiben den Zorn Gottes. Im "Tu es sacerdos" weiten sich die Soli zum bewegten Quintett (Christiane Sauer, Sopran). Die kunstvolle Tripelfuge im Schlusssatz des Chores "Gloria Patri et Filio" und die weitläufigen "Amen"-Koloraturen im letzten Abschnitt verlangen höchste Präzision und Aufmerksamkeit von Chor und Instrumentalisten gleichermaßen. Rundum gelungen ist dieses Osterkonzert, in dem als instrumentaler Zwischenpart Bachs Cembalokonzert in A-Dur, versiert vorgetragen, erklingt.