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Johannespassion: Warmer Klang und würdiger Ton

Johannespassion: Warmer Klang und würdiger Ton

Erwin Ortner dirigierte in der Stadthalle. Doch trotz der renommierten Leitung überzeugte das Chorkonzert nur eingeschränkt.

Wuppertal. Für die Johannespassion von Johann Sebastian Bach hatte sich das Sinfonieorchester am Freitag einen ausgewiesenen Spezialisten eingeladen: den Wiener Erwin Ortner, der als Gastdirigent für Chorkonzerte international tätig ist. Unter Ortners Leitung führen die Sinfoniker das Werk gemeinsam mit dem Chor der Konzertgesellschaft in der Stadthalle auf.

Mit dem groß angelegten Eingangs-Chor "Herr, unser Herrscher" können die Choristen der Konzertgesellschaft jedoch noch nicht überzeugen. Die Stimmverläufe erklingen nicht genügend profiliert, einzelne Einsätze bleiben unsicher. Doch im weiteren Verlauf entwickelt sich der Chorgesang. Mit warmen Klang sind die Choräle zu hören. Die Turbachöre - also die Passagen, in denen die Volksmasse die Handlung vorantreibt wie beispielsweise mit "Weg, weg mit dem, kreuzige ihn!" - gelingen mit dem erforderlichen Nachdruck in impulsiven Einsätzen.

Ortner leitet die Sängerschar aufmerksam und entlockt ihr in den Chorälen eine dynamische Abstimmung. Mehrfach setzt der Chor wirkungsvoll ein weiches Piano ein. Plastisch arbeitet Ortner die Bezüge der Chorsequenzen zum Orchesterpart heraus. Die Sinfoniker spielen gehaltvoll, könnten aber noch entschiedener einen frischen Barockklang entwickeln. Zu den Arien entfalten vor allem die Holzbläser eine feinstimmige Begleitung.

Von den Solisten erbringt der Tenor den umfangreichsten Part, da er neben seinen Arien die Rolle des Evangelisten übernimmt. Rüdiger Ballhorn entwickelt die Rezitative mit guter Textverständlichkeit, erweist sich jedoch als nicht ganz intonationssicher. Seiner Stimme fehlt es an Substanz, was sich in Arien und dem Arioso bemerkbar macht, die blass bleiben. Wenig hilfreich ist zu der anspruchsvollen Arie "Erwäge, wie sein blutgefärbter Rücken" die ungenau ausgeführte Begleitung der beiden Solo-Bratschen.

Mit angemessener Gestaltung im würdigen Ton führt Bassist Kay Stiefermann den Jesus-Part aus. Timothy Sharp gibt dazu verlässlich die zweite Bass-Stimme für den Pilatus sowie für die Bass-Arien. Sopranistin Elena Fink erfreut mit strahlender Stimme und zart traurigem Ton in ihrer Arie "Zerfließe, mein Herz". Altistin Bettina Ranch singt innig mit leicht verdunkeltem Timbre, das nicht so recht zur Strahlkraft gelangt.