Johanna Watzke: „Ich war von der Geige besessen“

Johanna Watzke: „Ich war von der Geige besessen“

Die Violinistin Johanna Watzke gründete 1969 das Kammerorchester Wuppertal — und leitet es noch heute.

Wuppertal. Eigentlich wollte Johanna Watzke nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern treten, die beide Berufsmusiker waren: der Kammersänger Rudolf Watzke und die am Klavier brillierende Mutter Liliana Christowa. Johanna widmete sich stattdessen dem Speerwerfen, wurde 1959 Deutsche Meisterin. „Aber als es dann mit den Anabolika anfing, habe ich aufgehört“, erzählt sie. Stattdessen nahm sie mit 18 Jahren zum ersten Mal eine Geige in die Hand — der Beginn einer bemerkenswerten Laufbahn.

Denn mit ihrem Instrument machte Watzke schnell Fortschritte. „Man setzt sofort um, was der Lehrer sagt — und ich war besessen von der Geige.“ Schnell bestand sie die Aufnahmeprüfung, erst am damaligen Konservatorium Wuppertal, dann in Dortmund. Die Geiger Hedi Gigler und Friedrich Enzen beeinflussten die Violinistin während ihres Studiums stark.

1969 entschied sie sich auf Rat des Dirigenten Hartmut Klug spontan, mit ihren Freunden ein Kammerorchester zu gründen. So war der Grundstock gelegt für das Wuppertaler Kammerorchester, das seit 45 Jahren besteht. 14 Berufsmusiker und engagierte Laien von 35 bis 70 Jahren proben jeden Freitag im großen Wohnzimmer von Johanna Watzke am Katernberg. „Bei mir kommen alle vorbereitet zur Probe, wir arbeiten sehr konzentriert“, betont die Leiterin. Drei bis viermal im Jahr tritt das Ensemble auf, meist in Kirchen in Wuppertal und den umliegenden Städten.

Der Fokus liegt auf Werken der Romantik und frühen Moderne. Doch immer wieder kommen auch Komponisten auf Johanna Watzke zu, um ihr Uraufführungen anzubieten. So wird beim Jubiläumskonzert am Samstag, 10. Mai, das Werk „Gesänge der Frühe“ von Wolfgang Müller erstmals zu hören sein — eine Hommage an Robert Schumanns letztes Klavierwerk.

Auch die Symphonische Fantasie von Günter Raphael (1903-1960) ist ein selten gespieltes, reizvolles Stück. Für die anspruchsvollen Werke hat das Orchester, das sonst ohne Dirigent auftritt, Hartmut Klug mit der Leitung betraut. Johanna Watzke übernimmt den Solopart in der Phantasie.

Daneben tritt die Geigerin regelmäßig im Duo mit dem Pianisten Karl-Heinz Stegmann auf. Auch diese Zusammenarbeit besteht seit 25 Jahren. Das feiern die Musiker mit einem Jubiläumskonzert im Juli an der Bergischen Universität (siehe Kasten oben). Dort unterrichtet die Geigerin schon seit vielen Jahren angehende Musiklehrer. Und folgt so doch dem Vorbild ihrer Eltern.

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