Jazz-Frauen: Sensibel und dynamisch

Jazz-Frauen: Sensibel und dynamisch

Wuppertaler Künstler präsentierten ihr Können im „Fux“.

Wuppertal. Die Bude platzte aus allen Nähten oben auf den Nordhöhen am Westfalenweg, als der gemeinnützige Verein „openSky“ die Pforten zum ersten der beiden Dates der 12. Auflage des Wuppertaler Jazzmeetings öffnete. Neugierig waren Jung und Alt, was für ein anderes Konzept die neuen Veranstalter ausgebrütet hatten. Um es gleich vorwegzunehmen: Es kam unglaublich gut an. Nicht mehr wie sonst im Café Ada an einem Tag auf zwei Bühnen parallel, sondern an zwei Terminen nacheinander auf einem Podium sollen sich die Jazzer mit Wuppertaler Bezügen präsentieren können.

Dann die neue Lokalität, das „Fux“: Es wird sich bestimmt für solche Konzerte bald herumsprechen. Denn der Schuppen erinnert an das Ambiente von guten alten Jazzclubs der 60er und 70er Jahre. Nur verqualmt darf er nicht mehr sein.

Den künftigen Jazzmeetings werden außerdem Motti vorangestellt. Der erste Titel lautete „Jazz-Frauen“. Und das wurde hier im Tal auch endlich einmal Zeit. Seit Jahrzehnten tummeln sich auf den Jazzbühnen um die Wupper herum überwiegend die Herren der Schöpfung. Als wäre der Jazz heute eine reine Männerdomäne. Pustekuchen. Das weibliche Geschlecht braucht sich wahrlich nicht zu verstecken.

Aus London reiste „Nerija“ an. Hauptsächlich Eigenkompositionen im tradierten Stil hatten die sieben jungen Musikerinnen um die gebürtige Wuppertaler Kontrabassistin Inga Eichler mit im Gepäck. Ihr sensibles und dynamisches Spiel begeisterte derart, dass trotz vorheriger Absprache der Veranstalter eine kurze Zugabe nicht verhindert werden konnte.

Einen Schalk hatte Saxofonistin Marie-Christine Schröck im Nacken sitzen. Klasse unterstützt von Jörn Dodt (Kontrabass) und dem Schlagzeuger Sebastian Bauer verarbeitete sie ihre Erlebnisse mit krakeelenden Nachbarn („Screaming Neighbours“) mit teils schrägen, kontrastreichen Tönen subtil burlesk. Trotz gesundheitlicher Probleme präsentierte anschließend Sängerin Anna Luca Mohrhenn ihr Programm „Small Friendly Giant“ mit einer gesunden Mischung aus Jazz, Folk, ein wenig Pop und Klassik. Begleitet von einem sehr beweglichen klassischen Jazztrio (Klavier, Kontrabass, Schlagzeug) intonierte sie unter anderem Songs mit Bezügen zu ihren schwedischen Wurzeln sehr packend.

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