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Instrumentalverein begeisterte in der Immanuelskirche

Instrumentalverein begeisterte in der Immanuelskirche

Der Instrumentalverein überzeugte beim umjubelten Herbstkonzert im Wuppertaler Osten

Barmen. Aufgeregte Musiker, ein erwartungsfrohes Publikum in der voll besetzten Immanuelskirche und ein entspannt lächelnder Dirigent: Den Leiter des Instrumentalverein Christof Hilger kann offensichtlich nichts erschüttern. Auch nicht die Wuppertaler Erstaufführung eines Werks von einem seiner Vorgänger. In Georg Wilhelm Raucheneckers „Sinfonisches Tonwerk im Stile einer Ouvertüre“ von 1880 hat Hilger mit seinen Laienmusikern eine Menge Arbeit gesteckt. Denn einfach zu spielen ist die Musik im Wagner-Gestus durchaus nicht.

Mächtige Bläserpassagen treffen auf zart säuselnde und kantable Streichersätze und ein locker-lebendiger Abschnitt verlangt präzise Rhythmik. Die musikalischen Gedanken aber entwickeln hörerfreundliche Leitmotiv-Qualitäten. Der im Konzert anwesende Frank Rauchenecker, Ur-Ur-Enkel des Komponisten, ist nach der Aufführung sehr zufrieden: „Das Orchester hat sich wirklich tapfer geschlagen. Ich bin sehr beeindruckt.“ Im Rahmen der Familienforschung sei er 2010 in der Wuppertaler Musikbibliothek fündig geworden: „Zahlreiche weitere Werke Raucheneckers waren zwar aufgelistet, aber ich habe sie erst im Archiv, in einer Ecke gebündelt, entdeckt.“

Frank Rauchenecker, Ur-Ur-Enkel des Komponisten

Auch die Musiker sind froh, dass sie die Ouvertüre bewältigt haben. Nun müsse Herr Hilger auch eine Komposition schreiben, damit der Instrumentalverein sie in 100 Jahren aufführen könne, schlagen sie schmunzelnd vor. Im weiteren Programm erfreut Sopranistin Catalina Bertucci mit fünf Schubert-Liedern - die meisten in der Instrumentierung von Max Reger, der sie spannungsreich und textdeutend anlegt. Bertucci singt mit kraftvollem Sopran und gut artikulierend. Das Orchester hält sich angemessen zurück. In der gespenstischen Goethe-Ballade „Erlkönig“ aber trumpft es auf, wenn die dämonische Naturgewalt es verlangt oder säuselt verführerisch als lockende Erlkönig-Stimme. Sechs Sängerinnen der Mädchenkurrende singen sehr sauber das zweistimmige Abendgebet aus Humperdincks "Hänsel und Gretel" von der Empore aus, bevor das Orchester nach der Pause eine Ouvertüre und Ballettmusik von Albert Lortzing, sowie ein Mascagni-Intermezzo frisch gestaltet. In der Ouvertüre zu „Die Macht des Schicksals“ dürfen die Musiker in Verdis Klangkosmos schwelgen und beschließen ihr umjubeltes Herbstkonzert.