Vernissage: „Indian Summer“ in der Galerie

Vernissage : „Indian Summer“ in der Galerie

Der irische Maler und Wahl-Berliner Lorcan O’Byrne stellt seine Bilder bei Hengesbach aus.

Wuppertal. Er malt, „bis das Bild mit mir redet“, erklärt Lorcan O’Byrne. 21 Exemplare seiner unbändigen Kreativität, seines umfangreichen Werkes, sind nun in der Hengesbach Gallery zu sehen. Galerist Rolf Hengesbach hatte die Qual der Wahl, beschränkt sich auf drei Phasen des 57-jährigen Malers, der zum Studium von Dublin nach Berlin kam und blieb. Schwerpunkt der Ausstellung sind leichte und helle, mit Ölfarbe gefertigte Bilder aus den letzten ein, zwei Jahren, die positive Energie in die hohen Räume an der Vogelsangstraße bringen. Der Titel „Indian Summer“ entstand während des Malens, „war einfach da und passte“.

Einer seiner Künstler machte Rolf Hengesbach auf den Iren Lorcan O’Byrne aufmerksam, im Frühjahr 2018 trafen sie sich in Berlin. „Er hat ein so reichhaltiges Werk mit erstaunlicher Qualität“, schwärmt der Galerist und ergänzt: „Er arbeitet mit unglaublicher Leichtigkeit und Offenheit.“ In Wuppertal stehen acht, seit 2017 entstandene Bubbles-Bilder im Mittelpunkt. Bubbles, weil auf den mindestens 110 mal 100 Zentimeter großen Bildern ovale Farbvolumen zu sehen sind, die im Unterschied zu Kreisen eine Richtung haben, leicht wie Blasen und ebenso zart wirken, vermeintlich platzen können. „O’Byrne spielt mit ihnen“, erklärt Hengesbach. Er dreht sie, lässt sie auslaufen, ineinander fließen, separiert sie, macht sie unterschiedlich groß, gibt ihnen weiche oder schärfere Konturen. Manche haben sich zu Vierecken entwickelt, manche durchkreuzt ein wilder breiter Pinselstrich, so dass der Betrachter die Malbewegung nachemfpinden kann. Bilder, die intuitiv ent- und aus vielen Schichten be-stehen. Bunte Bilder, die Farben aufeinander abgestimmt, hell, leicht, zart und fein. Hengesbach: „Dieser Malerei geht es um das Finden und Offenlegen von Maßstäben, die den Prozess des Suchens von Lebensbalancen begleiten.“

Drei Arbeiten repräsentieren in Wuppertal O’Byrnes erste Schaffensphase: Porträts von Menschen und Menschengruppen, mit denen er in den frühen 90er Jahren bekannt wurde. Menschen aus seinem Umfeld, die er zuvor fotografiert hatte. „Ich male nur Menschen, die ich gut kenne“, erklärt der Maler. In Wuppertal ist seine Tochter Ruby (heute 26 Jahre) zu sehen, die er als Kind und Teenager malte. Große bis mittelgroße Bilder, die das Kind sehr präsent werden lassen. Auch hier schon mit dem für ihn typischen Stilmittel der Skizzierung. Doch anders als in den Bubbles-Bildern ist die Farbigkeit leicht gebrochen, kühl — und auf diese Weise überaus wichtig, weil sie der Persönlichkeit der Abgebildeten Rechnung trägt. „Das Leben ist selten strahlend“, erklärt Hengesbach. Das elfjährige Mädchen Ruby hat O‘Byrne seitlich auf einem Sessel sitzend beim Malen festgehalten. Es blickt den Betrachter aus tiefschwarzen Augen offen und nachdenklich an, in der Hand ein Stift, ein schwarzer Strich, reduziert auf das Wesentliche. Ein anmutiges Bild in gedeckten Blau-, Grau-, Weiß-Tönen, das an die aus dem Film vertraute Aufnahmeart des Close Up erinnert. Im Hintergrund eine große beigegraue Farbfläche.

Irgendwann habe er nicht mehr fotografiert und wieder etwas später auch mit den Porträts aufgehört, erinnert sich der Maler. Farbflächen aber blieben auch bei den Stillleben, die er nun schuf. Zehn der eher kleinformatigen Werke sind in Wuppertal aufgehängt. Abgebildet sind einfache Dinge des Umfeldes, das in seinem Fall meistens das Atelier ist. Eine Stereoanlage, ein Buch, eine Brille, ein voller Aschenbecher neben einer leeren Fischdose. Es geht um die Auseinandersetzung mit dem was ist, mit dem man zu tun hat. Hengesbach: „Es geht wieder um Innen und Außen, wie Menschen oder Gegenstände verschlossen sein oder sich öffnen können.“ Die Farbe tritt in den Hintergrund, wird auf Schwarz und Weiß beschränkt. Ab und zu gibt es ein paar Farbakzente. Die ausgemalten und skizzierten Flächen, stehen gleichberechtigt nebeneinander, sind ausbalanciert.

Lorcan O’Byrne freut sich,dass seine Bilder nun nicht in seinem Atelier, sondern in den schönen Räumen der Galerie wirken können.