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In der Sommerpause wird die Historische Stadthalle aufgemöbelt.

Sommerpause : Jede Putte wird jetzt abgestaubt

In der veranstaltungsfreien Sommerpause wird die Historische Stadthalle aufgemöbelt. Saison startet mit einem Orgelwettbewerb.

Der Große Saal ist verwaist. Die Stuhlreihen sind verschwunden, der Blick frei auf die prachtvollen Verzierungen, Decken- und Wandgemälde. Und doch wird in der Historischen Stadthalle gearbeitet. Nur eben an anderen Stellen – zum Beispiel hoch oben, unter dem Dach. Dort wird das gemacht, was während der Veranstaltungen nicht möglich ist. Sommerzeit ist Reparatur- und Grundreinigungszeit. „Jede Putte, jedes Dekor wird abgestaubt“, sagt Geschäftsführerin Silke Asbeck.

Die Veranstaltungsprojektleiter genießen ihren Urlaub, unter der Ägide des Gebäudemanagements Wuppertal (GMW) haben Handwerker das Kommando übernommen, bringen die knapp 3000 Quadratmeter der acht Säle des Gebäudes am Johannisberg auf Vordermann. Direkt am Tag nach dem Auftritt von Chilly Gonzales am 18. Juli wurden die zirka 3000 Stühle weggeräumt und entkleidet. Die Überzüge werden gereinigt, die Stühle mit neuen Stuhlgleitern versehen. Geputzt wird jetzt eigentlich die ganze Zeit - der Frühjahrsputz ist in der Stadthalle ein Sommerputz. Alle Ecken und Winkel der bis zu 17 Meter hohen Wände wollen entstaubt, die Majoliken feucht abgefedert, sämtliche Glasflächen gereinigt werden. Alle Parkettböden werden eingepflegt und mit einer Schutzschicht versehen. Im „Rossini“ muss zudem der Parkettboden abgeschliffen werden – Tribut an die vielen privaten (Hochzeits-)Feiern. Außerdem wird in enger Absprache mit „Culinaria Wuppertal“ die Küche im Haus überarbeitet.

Weiteres wichtiges Kapitel ist die Beleuchtung. „Alle Leuchtmittel werden erneuert, dafür müssen die Kronleuchter runter- und wieder hochgezogen werden“, erklärt Silke Asbeck. Was sinnvoller Weise konzentriert gemacht wird. Das gilt auch für den Einsatz von Hubsteigern im Großen Saal.

Maschinerie der
Oberbühne wird erneuert

Letztes Jahr wurde die Unterbühne erneuert, dieses Jahr folgt die Oberbühnenmaschinerie. „Wir rüsten auf eine höhere Stufe um, bekommen eine neue Steuerung, die szenische Einsätze während der Aufführung ermöglicht“, erzählt Asbeck weiter. Überarbeitet und geprüft wird auch die Technik – Scheinwerfer, Anlagen. Neue Hängepunkte für tonnenschwere Kulissen und Beleuchtung im Bühnenbereich werden eingebaut, nachdem eine Statiküberprüfung grünes Licht gegeben hat. Asbeck: „Der Stand im Haus ist der der grundlegenden Restaurierung Anfang der 90er Jahre. Inzwischen haben sich die Anforderungen kolossal geändert.“ Die Künstler kommen mit immer mehr und immer aufwendigerer Technik. Von der mehrere Tonnen schweren LED-Wand bis zum ausgefeilten Tonequipment. In der Wuppertaler Stadthalle werden ihre modernen Showanforderungen in einem einmaligen Ambiente erfüllt.

Knapp sechs Wochen haben die „Heinzelmännchen“ für ihre Arbeiten zur Verfügung, das erfordert intensive Absprachen und einen ausgefeilten Bauzeitenplan, der auch Puffer kennt. Um Personalausfall oder Verzögerungen aufzufangen, die zum Beispiel entstehen, wenn bei einer Backupprüfung festgestellt wird, dass eine Ersatzplatine für die Setzeranlage der Orgel fehlt. „Zum Glück haben wir das jetzt festgestellt“, immerhin stehe der Orgelwettbewerb des Wuppertaler Musiksommers vor der Tür, sagt Asbeck erleichtert.

Mit dem Wettbewerb wird am 20. August die neue Spielzeit eröffnet. Anfragen in der Zwischenzeit muss Asbeck leider absagen, „das geht halt nicht, die Handwerker brauchen jetzt die Ruhe für die Arbeiten, sonst können wir unser Veranstaltungsprogramm in der Saison nicht aufrechterhalten“. Oder im Einzelfall doch möglich machen. Von Filmaufnahmen für „Cobra 11“ bis hin zu einzelnen Orgelführungen oder Hochzeiten.

Derweil müssen die Fassadenarbeiten samt neuem Außenbeleuchtungskonzept bis 2021 warten. Die bröselnden Putten sind eingenetzt, regelmäßige Kontrolle mittels Drohnen tragen Sorge, dass weitere Gefahrenquellen frühzeitig entdeckt werden. „Zu Beginn der neuen Saison strahlt das komplette Haus im Hochglanz“, verspricht Asbeck. Zumindest im Innern.