In der feierlichen Messe fehlt Selbstbewusstsein

In der feierlichen Messe fehlt Selbstbewusstsein

Der Konzertchor der Volksbühne trat gemeinsam mit Sinfonikern und Solisten auf.

Wuppertal. In seinen Chorkonzerten nimmt sich das Sinfonieorchester gerne Werken an, die nicht alltäglich im Konzertleben zu hören sind. Im ersten Chorkonzert am Totensonntag widmeten sich Orchester, Solisten und der Konzertchor der Volksbühne (Einstudierung: Thorsten Pech) am Sonntagabend einer frühen Mozart-Messe (in c-Moll, KV 139 "Waisenhaus-Messe") und der "Vesperae solennes de Confessore" (KV339).

In seiner Vesper von 1780 hat Mozart Psalmentexte prägnant gedeutet. Mal ist der Chor nahezu alleine Träger der reichen musikalischen Einfälle, mal agieren die Solisten alleine oder im Quartett. Der 50-köpfige Laien-Chor zeigt sich motiviert und hat die Stimmen zumeist solide eingeübt.

Was deutlich fehlt, ist ein selbstbewusster Chorklang. Selbst gegenüber dem noch so leise spielenden und deutlich reduzierten Orchester kann er sich kaum durchsetzen. Der Chorsopran ist zudem in der Höhe sehr gefordert und stößt an seine Grenzen. Die wenigen Männerstimmen forcieren bei ihren Einsätzen, so dass ausgewogener Klang selten erreicht wird. Die Artikulation ist wegen der Konzentration auf die Notentexte nicht deutlich genug.

Großen Einsatz zeigt Dirigent Christoph Campestrini, der es schafft, die wichtigsten dynamischen Kontraste zu fordern. Bei Vorgaben zu feinerer Gestaltung ist der Chor überfordert und folgt nicht mehr. Unisono-Stellen und homophone Satzweise zeigen, dass der Chor dort seine Stärken hat. Die Solisten glänzen mit makellosen, angenehm wenig timbrierten Stimmen - der geistlichen Musik entsprechend.

Das schlichte und zauberhafte "Laudate Dominum" (Lobet den Herrn), singt Sopranistin Dorothea Brandt sehr anrührend und schön schwebend. Auch Stefanie Irányi (Mezzosopran), Christian Sturm (Tenor) und Thomas Laske (Bariton) überzeugen solistisch und in bestens aufeinander abgestimmten Ensembles.

Seine erste "Missa longa" schrieb Mozart als Zwölfjähriger zur Eröffnung eines Wiener Waisenhauses 1768. Sehr anschaulich zwischen leichtem, ernstem und lyrisch-liedhaftem Ausdruck angesiedelt, wechseln auch hierbei monumentale Chorpassagen mit Solistenabschnitten. Das "Credo" etwa schafft mit seinem wiegenden "Et in carnatus est" des Sopran-Alt-Duetts einen ausdrucksvollen Kontrast zu dem schroffen "Crucifixus" mit Unisono-Chor, der von Seufzer-Motiven des Orchesters mit Bläser- und Paukenschlägen untermalt wird.

Der Dirigent lässt die dramatischen, textdeutenden Passagen durchaus Fortissimo spielen, dem der Chor nicht entsprechen kann. So ergeben sich unausgewogene Klangbilder in der sehr bewegten und feierlichen Messe. Wobei der Chor nicht an seine Erfolge im vergangenen Jahr anknüpfen konnte.

Ein weihnachtliches Chorkonzert erklingt am 25. Dezember um 18 Uhr in der Stadthalle mit dem Sinfonieorchester, Solisten der Bühnen und dem Chor der Konzertgesellschaft. Die Leitung hat Reinhard Goebel. Karten: Ruf 5694444.