Im TiC schnappt die Todesfalle zu

Im TiC schnappt die Todesfalle zu

Mit dem Krimi-Erfolg von Ira Levin ist in Cronenberg ein Thriller mit überraschenden Wendungen und Witz zu sehen.

Geschockt schreit das gesamte Publikum leise auf. Hochspannend ist der neue Thriller des TiC-Theaters an der Borner Straße, voller überraschender Wendungen und erschreckender Momente. Die gruselig säuselnde Musik trägt ihren Teil dazu bei. „Todesfalle“ heißt das Erfolgsstück von Ira Levin, der unter anderem auch Autor von „Rosemaries Baby“ ist. Die Inszenierung in Cronenberg besticht mit hervorragend geführten Dialogen und einer schlüssigen, bisweilen auch witzigen Handlung.

Das Regie-Team Sabine Misiorny und Tom Müller (m&m-Theater) holt wieder einmal alles aus den fünf Schauspielern heraus. Wunderbar springt Andreas Mucke als alternder Schriftsteller Sidney Bruhl zwischen depressivem Lamentieren über mangelnde Einfälle und weltmännisch-gutgelauntem Gehabe am Telefon hin und her.

Mareike Götzinger spielt seine herzkranke Gattin Myra als bewundernde, hingebungsvolle und etwas naive Frau. Einen echten Gegenpart bildet Alexander Bangen als hoffnungsvoller Nachwuchs-Schriftsteller Clifford. Mit eng an die Brust gepresstem Umschlag samt neuem Stück kommt er schüchtern zur Tür herein. Das aus dem Pullunder heraushängende Hemd (Kostüme: Kerstin Faber) unterstreicht seine Kindlichkeit.

Ehrfürchtig betrachtet Clifford die reich bestückte Sammlung an Waffen an der Wand des von Sandra Beckmann liebevoll mit vielen Details eingerichteten Arbeitszimmers von Sidney. Jede Waffe gehört zu einem Mord in Sidneys Stücken. Werden die Waffen auch Clifford zum Verhängnis, dessen hervorragend konzipiertes Erstlingswerk den Neid von Sidney hervorruft?

„Gefahr, grosssse Gefahr“, raunt die Nachbarin Gizi Barna (Ilka Schäfer) mit angsterfüllter Stimme. „Bin ich übersinnlich — sehe ich hell“. Schlimme Dinge passieren ihrer Meinung nach in dem Haus, wobei ein Paar Stiefel eine besondere Gefahr darstellt. Die Hellseherin mit ihrem exotischen Gehabe bildet eine ulkige Auflockerung der spannenden Handlung.

Rechtsanwalt Porter Milgrim (Reinhard Clement) sorgt mit seinen geschäftlichen Auftritten dafür, dass alles plötzlich ganz harmlos und alltäglich wirkt. Wäre da nur nicht die überbordende Phantasie des gewieften Krimi-Autors.

Regie: 5 von 5
Ensemble: 5 von 5
Bühne: 5 von 5

Mehr von Westdeutsche Zeitung