Im Skulpturenpark kocht der Saal

Im Skulpturenpark kocht der Saal

Die Zuhörer jubeln: Aki Takase und Louis Sclavis begeistern im Glaspavillon.

Wuppertal. Die schnellen kleinen Melodien, die sich wiederholen, passen perfekt zum stürmischen Wind, der immer aufs Neue durch die dichte Blätterwand fährt. Die Musik von Aki Takase und Louis Sclavis im gläsernen Pavillon des Skulpturenparks fügt sich wunderbar ein in die grüne Kulisse des Waldes ringsherum.

„Die beiden stehen schon lange auf meiner Wunschliste“, betont Dieter Fränzel, künstlerischer Leiter der Klangart-Reihe, zu Beginn. Schnell wird klar, warum: Die beiden Musiker aus Japan und Frankreich entwickeln einen tiefen musikalischen Zusammenklang, bei dem auch komponierte Stücke klingen wie aus dem Moment geboren.

Die Stücke, die Sclavis geschaffen hat, sind freier, oft verträumt mit lang verklingenden Saxofon-Melodien und expressiven lauten Passagen. Die Pianistin Aki Takase hingegen nimmt traditionelle Jazz-Rhythmen auf und formt daraus neue Stücke voller Energie. Sie verwendet immer wieder perkussive Elemente: Die beiden Musiker stampfen auf den Boden, schlagen gegen den Flügel oder Sclavis erzeugt Geräusche mit den Klappen.

Am Schluss des eineinhalbstündigen, pausenlosen Konzertblocks sorgt das Duo mit einem rein sprachlichen Stück für Heiterkeit im ausverkauften Raum: „Mejami Nanana“ beginnt Aki Takase, worauf Sclavis lakonisch antwortet „Da“. Und das immer wieder, mal kürzer, mal länger, mal schneller, mal nachdenklich.

Überhaupt agieren die beiden voller Witz: Kurzsichtig beugt sich die Pianistin mit ihrem schwarzen Turban auf dem Kopf nach vorne, um zu erkennen, welches Stück Sclavis ihr entgegen hält. Der wiederum versucht, in Französisch und mit vielen großen Gesten zu erklären, worum es im nächsten Stück geht. Verstehen tut das zwar niemand, aber alle amüsieren sich. Schon nach einer Stunde kocht der Saal. Die Zuschauer jubeln und pfeifen nach jedem Stück. Und als das Duo mit ruhigeren Darbietungen das Ende einläutet, stürmen sofort die Ersten an den CD-Tisch, um sich neben der Konserve auch ein Autogramm zu sichern.

„Das war sehr unkonventionell und überraschend, wirklich kurzweilig“, äußert sich auch Besucher Jochen Lorenz zufrieden, der vorher gar nicht wusste, was ihn erwartet.

Mehr von Westdeutsche Zeitung