Im Opernhaus wird „Der Liebestrank“ serviert

Im Opernhaus wird „Der Liebestrank“ serviert

Die Wuppertaler Bühnen auf derSchönheitsfarm.

Wuppertal. Wenn der gewiefte Quacksalber Dulcamara Gesundheit und Schönheit in Form von Tuben, Salben und Tinkturen verkauft, sollte es doch wohl auch einen Trank geben, der eine vitale Schöne in einen jungen Mann verliebt macht.

Volker Schmalöer verlegt Gaetano Donizettis komische Oper "Der Liebestrank", die im Opernhaus ihre Wuppertaler Premiere feierte, in ein Wellness-Hotel unserer Tage. Die mit schrägem Spiegel überspannte Bühne (Daniel Roskamp) enthüllt alle Details, die der hervorragende Opernchor (Einstudierung: Jens Bingert, Jaume Miranda) im spritzigen und lebendigen Spiel auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten bietet: So gestalten die ausgeschütteten Mittelchen den Boden als "Action Painting", in das der glühend Liebende zwei Herzen mit dem Wischmopp malt. Denn Nemorino ist der schüchterne Putzmann auf der Beauty-Farm. Tenor Nathan Northrup gibt ihn weitgehend ohne klangsatt schmachtendes Belcanto. Doch überzeugt er mit viel Spielfreude und schlanker Stimme im Schöngesang als der unglücklich in die schöne Adina Verliebte.

Dottor Dulcamara verkauft ihm den vermeintlichen Liebestrank: Dariusz Machej gestaltet seine Rolle gestenreich und singt mit gut fundiertem Bass, nur im raschen Erzählton etwas atemlos.

Der naive Nemorino glaubt fest an die Wirkung des Tranks nach 24 Stunden. Meint er doch, "eine verstohlene Träne" in Adinas Augen als Zuneigung deuten zu dürfen. Diese Romanze "Una furtiva lagrima", von Harfe und Englischhorn klagend begleitet, hat Ohrwurm-Qualitäten.

Elena Fink gelingt als Adina neben kristallklaren, volltönenden Höhen auch das klangschöne und weiche Piano, womit sie zunächst den feschen Sergeant Belcore in ihren Bann zieht. Thomas Laske singt ihn mit großer Bühnenpräsenz und kräftigem Bariton betont lustvoll, denn Belcore ist es gewohnt, im Krieg wie in der Liebe zu siegen.

Dass die Frauen sich von Uniformen, Macht und Geld beeindrucken lassen, zeigt die Oper mit vorsichtig kritischem Unterton. Als der arme Schlucker Nemorino durch eine Erbschaft reich wird, ist es nicht nur der als Liebestrank verkaufte Bordeaux, der ihn schwanken und die Frauen zu seinen Füßen liegen lässt.

Adina erspürte schon früh die echte Zuneigung von Nemorino und will nun doch nicht Belcore heiraten. Und der Hotelchefin Giannetta (mit angenehmem Mezzosopran: Joslyn Rechter) ist es gar nicht so unrecht, dass endlich ein Mann beim wilden Tanz in ihrem Schoß landet.

Die Oper bietet großen Spaß für Augen und Ohren im klinisch-weißen Ambiente der Schönheitsfarm (Kostüme: Ulrike Obermüller). Zudem setzt das Wuppertaler Sinfonieorchester unter Florian Frannek die an der sinnesfrohen italienischen Romantik geschulte Musik präzise und schwungvoll in Szene.

Regie: 4 von 5 Punkten

Bühne: 4 von 5 Punkten

Ensemble/Orchester: 5 von 5 Punkten

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