Im Garten der Aphrodite

Kammerchor Amici del canto trat in der City-Kirche auf.

Wuppertal. Das Mittelmeer ist eine beliebte Urlaubsregion. Etliche fahren bestimmt bald wieder in den Sommerferien dorthin, um sich an den Stränden zu bräunen. Ein Bildungsurlaub ist aber auch nicht falsch, gibt es doch etliches von der Epoche der Antike an zu besichtigen. Und wer kennt sie nicht aus der Schulzeit, die Sagen des klassischen Altertums um Göttervater Zeus herum?

Um sich darauf einzustimmen, hatte in der Citykirche Elberfeld der Kammerchor Amici del canto ein ganz besonderes mediterranes Programm präsentiert, das „Im Garten der Aphrodite“ lautete. Der Publikumsandrang war so groß, dass viele Gäste sogar mit Plätzen im angrenzenden Café vorliebnehmen mussten. A cappella ging es zunächst in die traumhaft schöne italienische Toscana mit der Landschaftsbeschreibung „Cade la sera“ von Ildebrando Pizzetti.

Dann wurde ins Piemont gewechselt. Zwei schöne Weisen von Leone Sinigaglia waren dafür zuständig. Man traf auf einen Jäger, der sich im Wald verliebte („Il cacciatore del bosco“) und beobachtete eine Hirtin die am Bach ihre Schafe hütete („La pastora e il lupo“). Die Sagenwelt wurde natürlich nicht außer Acht gelassen.

In „Amor vittorioso“ und „Questa dolce Sirena“ von Giovanni Gastoldi ging es um den Liebesgott Amor und die Sirenen. Claudio Monteverdi kam ebenfalls mit einem Ausschnitt aus seiner Oper „L’Orfeo“ und dem Lamento der Ariane zu Gehör.

Unter Dennis Hansels präziser Leitung ließ der Kammerchor keine Wünsche offen. Ein Unterschied zu einem reinen homogenen Profichor war nicht heraushörbar. Es stimmte einfach alles. Selbst bei schwierigen und vielstimmigen Abschnitten waren Einsätze und Intonation stets perfekt, ganz edel die fein abgestuften Klangbilder sowie die glasklaren Artikulationen. Die Textinhalte zeichneten die 33 Sänger hochmusikalisch nach.

Dazu passten Benjamin Brittens sechs Metamorphosen für Oboe nach dem antiken römischen Dichter Ovid in denen es um die mythologischen Gestalten Pan, Phaeton, Niobe, Bacchus, Narcissus und Arethusa geht. Tobias Kranz stand den hohen Qualitäten der Choristen in nichts nach. Seine wandelbare und tief ausgelotete Tongebung faszinierte genauso.

Zu guter Letzt gab es noch Brittens „Hymn to St. Cecilia“. Die Hymne hat zwar nichts mit dem Mittelmeer, sondern mit dem Namenstag der Heiligen zu tun, der auch der Geburtstag des Komponisten ist. Das machte aber gar nichts. Denn die Präsentation dieser Weise um die Cäcilias Erfindung der Orgel bezauberte ebenfalls. Enthusiastisch war folgerichtig der Schlussapplaus, der in die Wiederholung des Jägerlieds von Sinigaglia als Zugabe mündete.