Sängerin: Ihr liebestoller Page überzeugte und brachte eine Nominierung ein

Sängerin : Ihr liebestoller Page überzeugte und brachte eine Nominierung ein

Am Sonntag steht Iris Marie Sojer wieder als Cherubino in Mozarts Oper auf der Bühne.

An den Moment, als ihr Kollegen während der Probe von ihrer Kritiker-Nominierung als beste Nachwuchssängerin 2019 erzählten, erinnert sie sich noch genau. Auch daran, dass sie sich besonders darüber freute, dass ihre Rolle als Cherubino in Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ die Anerkennung fand. Einige Wochen weiter probt die junge Mezzosopranistin Iris Marie Sojer erneut für die Rolle des liebestollen Pagen. Am kommenden Sonntag steht die Wiederaufnahme im Opernhaus in Barmen auf dem Programm.

Iris Marie Sojers Weg schien vorgezeichnet. „Ich wurde 1990 in Hannover in eine Opernsängerfamilie hineingeboren“, erzählt die junge Frau. Gesungen wurde eigentlich immer: zuhause, zum Beispiel, wenn die Mutter probte, oder elf Jahre lang im Mädchenchor Hannover, einer Gemeinschaft, in der sie sich sehr wohlfühlte.

Mit fünf Jahren begann das Klavier-, mit zehn Jahren das Cellospiel. Klarer Favorit war schon damals das Singen, weil es Iris Marie am natürlichsten erschien. Gesang bedeute ihr alles, sei wie eine eigene Sprache, schwärmt sie noch heute.

Die Oper und die Bühne freilich „waren für mich als Kind der Olymp. Ganz nah und ganz fern zugleich“. Zum großen Respekt gesellten sich in der Pubertät Zweifel. Zweifel, die auch nach der bestandenen Aufnahmeprüfung bei Professorin Elisabeth Werres an der Universität der Künste Berlin nicht gänzlich schwanden. Denn das Gesangs- und Musiktheater-Studium war erstmal ein Sprung ins kalte Wasser, durch das sie sich, auf sich allein gestellt, durchkämpfen musste.

Den Bachelor in der Tasche ging sie 2015 nach München, begann dort den Masterstudiengang Lied und Konzert bei Professorin Christiane Iven, bevor im Jahr darauf ein weiterer Sprung ins kalte Nass „dazwischen funkte“: Sojer wurde vom Internationalen Opernstudio des Natonaltheaters Mannheim engagiert, wo sie in zahlreichen Produktionen erste Rollendebüts gab. Zwei intensive und lehrreiche Jahre an ihrem ersten Haus folgten, an dem auch heute noch ihr Herz hänge.

Der Sprung ins kalte
Wasser ist ihr vertraut

In Wuppertal sang sie im Juni 2018 vor, mietete, die Zusage gerade in der Hand, ein Zimmer in einem „30er-Jahre-Bau mit Charme“ in Ostersbaum, in dem sie bis heute sehr gerne lebt. Der Bezug zur bis dahin unbekannten, zusammengewürfelt wirkenden Stadt sei mittlerweile gewachsen, erzählt die aparte Frau, und dass sie sich wie zuhause fühlt, es genieße, nach den „letzten Jahren einer gewissen Entwurzelung nun angekommen zu sein“.

Dazu trugen sicherlich auch die Rollen bei, die Laura in „Luisa Miller“, die Lucienne in „Die tote Stadt“, die Mercedes in „Carmen“ und, allen voran, Mozarts Cherubino, bei dem sie sich freispielen und -singen könne. Weil die Rolle eine größere ist, so dass sie etwas entwickeln könne. Um den Glamour gehe es ihr dabei nicht, wehrt sie bescheiden ab, freut sich aber natürlich über das positive Feedback.

In ihrer zweiten Wuppertaler Spielzeit wirkt die 29-Jährige außerdem in „Oedipus Rex“, am „ersten Chorkonzert - Cherubini & Mozart“ und am vierten Sinfonieorchesterkonzert mit. Eine Hauptrolle winkt mit der Eliza Doolittle, die sie bei der Wiederaufnahme von „My Fair Lady“ im März 2020 gibt. Ihre Traumrolle sind mehrere: der Octavian in Strauss’ „Rosenkavalier“, der Komponist in seiner Ariadne auf Naxos, der Sesto in Mozarts „Titus“ oder die Dorabella in seiner „Cosi fan tutte“.

Die Opernwelt hat für Sojer etwas Magisches, unabhängig davon liebt sie das Konzert – besonders Oratorien, und da vor allem die von Bach. Sie will dieses Engagement auch in Wuppertal ausbauen. Darüber hinaus macht das große Nachwuchstalent keine Pläne, die letzten Jahre seien anstrengend gewesen. Der Blick gehe erstmal immer nur bis zur nächsten Vorstellung. „Ich bin dankbar, hier in diesem Ensemble sein zu dürfen“, sagt sie und dass sie langsam erkenne, an ihrem persönlichen Olymp angekommen zu sein.

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