Wuppertaler Kultur: „Hoffmanns Hits bleiben drin“

Wuppertaler Kultur : „Hoffmanns Hits bleiben drin“

Corinna Jarosch gewinnt aus Jacques Offenbachs fantastischer Oper Material für Ihre Kinderoper „Der Nachtschreck“.

Wuppertal. Eine Kinderoper kurz vor Ostern ist schon ungewöhnlich genug, denn traditionell kommt so etwas zu Weihnachten ins Programm. Noch außergewöhnlicher ist, dass Corinna Jarosch, Spielleiterin an der Oper, ihr Stück „Der Nachtschreck“ für Kinder ab acht Jahren frei nach Jacques Offenbachs fantastischer Oper „Hoffmanns Erzählungen“ gestaltet hat.

Frau Jarosch, bei „Hoffmanns Erzählungen“ kommt man nicht unbedingt auf die Idee, dass darin der Stoff für eine Kinderoper steckt.

Corinna Jarosch: Ich habe Sex and Drugs abgezogen, der Rock’n’- Roll ist geblieben (lacht). Es ist jetzt eine klassische Gespenster- und Abenteuergeschichte. Der verträumte Junge Hoffmann schläft in der Schule ein und erlebt in seiner Fantasiewelt, wie ein guter und ein böser Geist um seine Träume kämpfen.

Wie machen Sie Hoffmann für junge Zuschauer interessant?

Jarosch: Hoffmanns Probleme lassen sich leicht auf eine Pubertätsebene übertragen: Er sucht sich, kommt aber nicht an; er schwärmt von Frauen, die er nicht bekommt.

Wie verfahren Sie mit der Musik? Schließlich lassen Sie den dritten Akt ganz und den vierten Akt weitgehend weg, insgesamt verkürzen Sie die Oper von drei Spielstunden auf gut eine.

Jarosch: Klar war: Ich wollte alle Hits drin haben — von der Barcarole bis zur Spiegel-Arie. Offenbachs „Hoffmann“ ist eine Sammlung von Musikmaterial. Er ist ja vor der Premiere gestorben. Also hat man versucht, aus seinen Aufzeichnungen eine sinnvolle Reihenfolge zu machen. Man weiß aber bis heute nicht, was Offenbach wirklich wollte, weil Teile der Partitur an Freunde und Bekannte verschenkt wurden, die diese blattweise verkauft haben. Solche Blätter kommen auch jetzt noch immer mal wieder an die Öffentlichkeit.

Sie haben die Musikstücke also hin- und hergeschoben?

Jarosch: Das Material ist ja schon mehr oder minder ein Steinbruch — da ist etwas leichter, Teile herauszunehmen. Ich glaube, dass es Kennern Spaß machen wird, diese schönen Melodien in anderen Zusammenhängen zu hören.

Sie haben nicht nur etwas weggenommen, sondern mit Antonia und dem Traummännlein auch zwei Figuren hinzugefügt. Warum das?

Jarosch: Ich hatte Vorgaben, welche Rollen ich besetzen muss, weil schon Sänger für die Uraufführung von „Der Goldmacher“ engagiert waren — dieses ursprünglich vorgesehene Stück ist ja nicht rechtzeitig fertig geworden. Weil ich also James Wood als supertollen Buffotenor schon hatte, habe ich ein gutes Traummännlein kreiert, und ihm die Rolle auf den Leib geschrieben.

In welchem Umfeld bewegt sich der Schüler Hoffmann?

Jarosch: Er schwärmt von der allseits begehrten Antonia, die in seinem Traum zur mechanischen Puppe wird. Für sie ist die Hauptsache, dass die Haare schön sind und der Lippenstift nicht schmiert. Neben ihm in der Bank sitzt Niki, der ein richtiger Nerd ist und Physik toll findet. Das soll eigentlich auf Hoffmann abfärben, tut es aber natürlich nicht.

Hat es „Hoffmanns Erzählungen“ schon mal als Kinderoper gegeben?

Jarosch: Es gab wohl mal eine Version für drei Stimmen und ein Klavier. Leider fallen bei Kinderproduktionen Chor und Orchester oft als erstes weg. Bei uns steht der Chor vollzählig auf der Bühne, das Orchester ist auch da, damit Opernneulinge eine Idee bekommen, was Oper alles an Klang zu bieten hat.

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