Hinter den Kulissen: Der Mann mit den Masken hütet 3000 Perücken

Hinter den Kulissen: Der Mann mit den Masken hütet 3000 Perücken

Markus Moser ist der Mann mit den Masken: Er verleiht Künstlern das nötige Bühnen-Aussehen.

Wuppertal. „Jeder hat hier seinen eigenen Kopf.“ Markus Moser, der Chef der Masken-Abteilung, meint das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Sänger und Schauspieler, die für die Wuppertaler Bühnen im Rampenlicht regelmäßig „den Kopf hinhalten“, haben ein weiteres Konterfei. Eine ganze Reihe an Holzköpfen ist im Opernhaus zu finden: Seite an Seite stehen sie im Regal — manche tragen Perücke, manche sind nackt. So oder so: Ohne Holzköpfe kann kein Theater überleben.

Denn um Masken herzustellen, neue Perücken für aktuelle Produktionen anzufertigen oder alte Varianten auszuprobieren, steht nicht immer das lebendige Objekt zur Verfügung. Wer neu engagiert wird, wird deshalb erst einmal vermessen. Das Standard-Kopfmaß für Darsteller? Moser kennt es: „Schmale Stirn, kein Hinterkopf.“

Die Platzhalter werden gut behütet — schließlich spielen sie in Mosers Abteilung eine zentrale Rolle. „70 Prozent der Arbeit sind: Perücken herstellen und frisieren“, sagt Moser.

Dabei sind Inszenierungen wie der „Maskenball“ wahre Feste für seine Abteilung: „Dazu gehörten 45 Perücken. Das hat allen großen Spaß gemacht.“ Der Hüter von insgesamt 3000 Perücken kann aus vollen Kisten schöpfen. Zumal seine Arbeit eine „haarige“ Angelegenheit ist und unzählige Schminkutensilien, Haarspangen und Kammern dazugehören.

Vor allem die Kästen von Schauspielerin Juliane Pempelfort und Opernsängerin Elena Fink quillen fast über. „Sie sind schon lange da und oft im Einsatz.“ Man sieht es — nicht zuletzt in der Maske.

Mosers Haupt-Passion ist jedoch eine andere: Noch lieber als Perücken stellt er Masken her, nimmt Abdrücke und modelliert. „Der Gipsraum ist mein liebster Arbeitsplatz.“

Der Perücken-Chef kann den kühlen Monaten gute Seiten abgewinnen.

Eigentlich wollte der ausgebildete Maskenbildner ja gar nicht zwingend zum Theater. „Ursprünglich wollte ich nur Special Effects machen, Horror und so.“

Er leckte jedoch Blut — und blieb. „Als ich im Theater war, wollte ich nicht mehr weg.“ Weshalb? „Es ist live. Beim Abenddienst ist man hautnah dabei. Und man ist genau so nervös wie das Ensemble.“ Seit 1994 arbeitet der gebürtige Langenfelder an den Wuppertaler Bühnen — und schwärmt: „Jeder Abend ist eine andere Herausforderung.“ Speziell „Der Fliegende Holländer“ war eine. „Bevor ich die Glatze für den Hauptdarsteller geklebt habe, hatte ich immer den Wetterbericht gelesen.“

Denn der größte Feind ist erst sichtbar, wenn es zu spät ist: „Schweiß ist unser ärgster Gegner. Die Wintermonate sind schon angenehmer.“ Ob Sonnenschein oder Schnee — eins gilt immer: „Unsere Aufgabe ist, etwas zu machen, was man nicht sieht.“ Mit anderen Worten: Wenn Banu Böke, privat dunkelhaarig, auf der Bühne zu Evita wird, haben Moser und seine Kollegen ihre Finger im Spiel. „Wenn Zuschauer dann sagen ,Ich wusste gar nicht, dass Frau Böke jetzt blond ist’, haben wir alles richtig gemacht.“

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