1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Hell und warm: Farbe vertreibt graue Gedanken

Hell und warm: Farbe vertreibt graue Gedanken

Rose-Marie Hellmann (77) präsentiert ihre Arbeiten in der Galerie Wittenstein.

Elberfeld. Satte Farben strahlen auf 100 mal 80 Zentimetern Leinwand. Das Bild trägt den Namen „Vineta oder Atlantis“ und in weiter Ferne ist eine Insel im Regenbogenmeer zu erkennen. Die Künstlerin Rose-Marie Hellmann (77) strahlt ebenfalls.

„Die Welt ist trist und grau. Das alles versuche ich, mit friedlichen Gedanken hinter mir zu lassen“, sagt sie in der Galerie Wittenstein. Dort soll der Betrachter seiner Fantasie entspannt freien Lauf lassen. Ihre Bilder tragen Namen wie „Es wächst“ und „Es läuft“ — und doch ist in einigen Trauer oder Einsamkeit allgegenwärtig.

Die kleine dunkle Insel, die „In der Ferne“ zu sehen ist, scheint verloren im Pastellorange-Gelb, und auch die „Dämmerung“ wirkt durch die kräftigen Farben fast verschluckend. Dabei sucht Rose-Marie Hellmann nach dem Freundlichen, Hellen und Warmen. „Nicht alles geht gut aus“, erklärt sie.

Auf der Vernissage spricht sie von Krieg und anderem Unheil, das sie durch Kunst hinter sich lassen will. Sie wurde 1936 in Elberfeld geboren, musste fliehen, kam 1945 zurück und arbeitete 27 Jahre lang als Lehrerin, Kunst war eines ihrer Fächer. Sie erlebte schweren familiären Verlust.

„Durch die Malerei konnte ich endlich selbst tun, was mir gefällt“, sagt sie. „Es lässt mich vergessen.“ Ruhig und nachdenklich spricht sie über ihre Kunst.

Wenn sie nachts nicht schlafen kann, entstehen ihre Bilder. Dann rührt sie Farbpigmente mit Ei und Öl selbst an, Eitempera ist ihr bevorzugtes Malmittel. Diese Technik ermöglicht ihr, den Farbton genau zu bestimmen. Sie möchte fröhliche Farben schaffen und Bilder, die das Gegenteil von Trauer und Krisen darstellen.

Sowohl Atlantis als auch Vineta sind untergegangen, doch mit dem Ende einer Kultur entsteht auch etwas Neues. Wenn Hellmann malt, dann mit positiven Gedanken, „aber eigentlich bin ich gar nicht da, wenn ich arbeite, sondern nur die Hand mit dem Pinsel“.

“ Bis Ende April sind ihre Bilder in der Galerie Wittenstein am Armin-T.-Wegner-Platz 13 zu sehen — jeweils montags bis mittwochs von 11 bis 18 Uhr sowie donnerstags und freitags von 15 bis18 Uhr. Nähere Infos gibt es unter Telefon 25 49 173.

galerie-wittenstein.de