Stößels Komödie Wuppertal: Heiligabend mit Schildkröten und Mikrowelle

Stößels Komödie Wuppertal : Heiligabend mit Schildkröten und Mikrowelle

Stößels Komödie zeigt die Weihnachtskomödie „Ab jetzt bin ich glücklich“.

Als Gesprächspartner hat er seine Mikrowelle namens „Karla“ und sein Diktaphon. Jan (Dirk Stasikowski) ist frisch geschieden. Dem End-40er steht sein erstes Weihnachstfest ohne Familie bevor. Als Gesellschaft hat er nur seine Schildkröten, deren Namensgebung im Laufe des Stücks immer wieder Thema sein wird. Den Heiligabend will er mit der Überzeugung „Ab jetzt bin ich glücklich!“ allein meistern. So weit die Theorie. Dass in einer Komödie die Praxis natürlich ganz anders aussieht, verwundert nicht. Zuerst gibt Karla ihren Geist auf, das Weihnachtsmenü ist verdorben und dann sind Telefonklingel und Türschelle im Dauereinsatz.

Nach und nach kommen immer mehr Gäste, und aus dem ruhigen Abend wird ein turbulentes Zusammentreffen dreier Generationen. Jan hat bald die „Bude und die Schnauze voll“. Sohn Kai (Benjamin Krüger) trifft ein, Ex-Frau Nicole (Bettina Jerch), Vater Peter (Herbert Ruhnau) und Ex-Freundin Steffi (Melanie Spielmann). Sie alle geben vor, ihm beistehen zu wollen, damit er nicht allein ist, entfliehen jedoch ihrer eigenen Einsamkeit – was natürlich keiner vor sich oder Jan zugeben kann.

Die Komödie von Frank Pintus ist aufgeteilt in zwei Akte, davon war der zweite Akt der eindeutig stärkere. Das unwillkürliche Zusammentreffen der Familie sorgt für manche bizarre Situation und Komik, doch leidet der erste Akt etwas an eher seichten Dialogen.

Im zweiten Akt laufen die Schuspieler zur Hochform auf

Zur Hochform laufen sie auf, wenn im zweiten Akt kleine Pannen passieren. Spontan und witzig werden diese gemeistert, herrlich, wenn Peter und Jan Plätzchen backen, den Teig auf den Tisch klatschen, dass er nur so spritzt. Wenn eine Requisite in der  Küche fehlt, improvisiert Stasikowski gekonnt, verlässt die Bühne und spricht von einer aus dem Keller geholten Schüssel  – das Publikum ist begeistert. Ebenso beim abschließenden Rumba von Jan und Nicole. „So lange hat der Tanz noch nie gedauert“, wird der kräftige Applaus kommentiert. Mit Humor wurden die kleinen Patzer im Schlusswort von Benjamin Krüger aufgegriffen.

Immer wieder nett auch die topografischen Bezüge. Angeblich hat Peter die Sparkasse am Islandufer überfallen, um anschließend über die Wupper durch die Schloßbleiche zu fliehen. Jan war 1964 in Hattingen Westdeutscher Meister im Boxen, ein Running Gag, wenn Jan und Kai in den Boxring treten.

Auch in einer Komödie gibt es ein Happy End. Jan und Nicole kommen sich wieder näher, das abgebrochene Studium von Kai ist kein Problem und das Geld von Peter stammt nicht aus einer Straftat. Sogar Ex-Freundin Steffi darf mit zum gemeinsamen Urlaub nach Vancouver.

Die Termine der nächsten Vorstellungen sind online zu finden.

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