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HBT-Galerie: Die Kunst des Kuriosen

HBT-Galerie: Die Kunst des Kuriosen

Joachim Röderer und Theo Lambertin blicken ironisch auf den Kunstbetrieb.

Wuppertal. Riesengroße rostige X-Chromosomen aus Stahl prangen derzeit auf dem Gebäude der HBT-Galerie für zeitgenössische Kunst. Schon aus der Ferne weisen sie den Weg in die neue Ausstellung. Auch die eigens gestalteten Plakatwände auf der Straßenseite der Galerie zeigen an, was sich bis zum 14. September im unscheinbaren Haus an der Gathe verbirgt: Bilder und Skulpturen der Kölner Künstler Theo Lambertin und Joachim Röderer.

Zur feucht-fröhlichen Eröffnung lud der umtriebige Geschäftsführer Holger Brückmann-Turbon, ebenfalls aus Köln, der sich als Pionier im mit Galerien nicht gerade reich bestückten Wuppertal sieht. Er bot nicht nur ausreichend Verpflegung in fester und flüssiger Form - auf dem Grill brutzelten Bratwürstchen -, sondern hatte als besonderes Häppchen für seine Gäste den Kabarettisten Heinrich Pachel engagiert.

Fern vom strengen "Domina-Gebaren" der zuweilen abgehobenen Kunsthistoriker, so Brückmann-Turbon, führte Pachel zur Freude der Anwesenden mit einer kleinen Performance in die Ausstellung ein - nicht ohne Seitenhiebe auf das sonst übliche Eröffnungs-Ritual.

Der Kunst tat er damit keinen Abbruch, gehören Lambertin und Röderer doch zu derjenigen Spezies Künstler, die die eingefahrenen Abläufe des Kunstbetriebes nicht allzu ernst nehmen. Vor allem Lambertin kommentiert mit seinen Bildwelten ironisch die Mechanismen des Kunstmarktes.

Fotografien kurioser Fundstücke, die er meist auf einer seiner zahllosen Reisen entdeckt, überarbeitet er wiederholt und fügt hier und da bissige Zitate ein, einige aus einem Interview mit dem Leipziger Malerstar Neo Rauch. Eine Arbeit mit dem Titel "Künstler, dekorativ den Galeristen betrügend" hat dabei zum ersten Mal überhaupt in einer Schau einen repräsentativen Platz in der ersten Reihe gefunden.

Das Thema Natur und Reproduktion zieht sich dagegen wie ein roter Faden durch das Werk von Röderer. Ihm sind seine formal leicht zugänglichen Stahl-skulpturen materialisierte Ideen, bewusst offen für alternative Sichtweisen.

Brückmann-Turbon machte mit der zweiten Ausstellungseröffnung seinem Motto "Grillen und Chillen als Support Act der Kunst" wahrhaftig alle Ehre.