Harfe: Aus der Notlösung wurde Leidenschaft

Harfe: Aus der Notlösung wurde Leidenschaft

Manuela Randlinger-Bilz ist seit zehn Jahren Harfenistin im Wuppertaler Sinfonieorchester.

Frau Randlinger-Bilz, Sie feiern in dieser Saison ein Jubiläum: Seit zehn Jahren spielen Sie im Wuppertaler Sinfonieorchester. Wie kamen Sie zur Harfe?

Manuela Randlinger-Bilz: Mit sieben Jahren wollte ich nach der Blockflöte Gitarre lernen, aber es gab an der Musikschule keine Leihinstrumente mehr — nur noch eine kleine irische Harfe. Nach sechs Wochen „Probezeit“ war ich überzeugt und begeistert.

Was lieben Sie an der Harfe?

Randlinger-Bilz: Den Klang, der ganz viele verschiedene Facetten haben kann, von warm und dunkel bis hin zu glitzernd und sphärisch. Man formt den Klang unmittelbar mit den Fingern und spürt die Schwingungen direkt am Körper, ganz besonders die der Bass-Saiten. Außerdem wird die Harfe sehr vielseitig eingesetzt — sowohl als Melodie- als auch als Harmonie-Instrument. Die Möglichkeiten, vor allem in der Kammermusik, sind von begleitender bis hin zu solistischer Funktion.

Im Oktober — beim 2. Sinfoniekonzert der Saison — stellten Sie François-Adrien Boieldieus Harfen-Konzert C-Dur in der Stadthalle vor. Was bedeutet es Ihnen, als Solistin im Mittelpunkt zu stehen? Überwiegt die Freude — oder das Lampenfieber?

Randlinger-Bilz: Es ist natürlich für mich eine besondere Freude, mit „meinem“ Orchester das Solokonzert zu spielen. Lampenfieber gehört dazu.

Andere Instrumente scheinen „massentauglicher“ zu sein. Weshalb, meinen Sie, lernen mehr Kinder Geige oder Klavier statt Harfe?

Randlinger-Bilz: Oft sind es die Kosten des Instruments und die Sperrigkeit beim Transportieren, die für die Eltern wahrscheinlich abschreckend sind. Hinzu kommt, dass in mehreren Haushalten ein schon vorhandenes Klavier die Entscheidung beeinflusst.

Sie sind seit zehn Jahren Harfenistin im Wuppertaler Sinfonieorchester. Wie hat sich das Ensemble Ihre Meinung nach unter Toshiyuki Kamioka entwickelt?

Randlinger-Bilz: Meiner Meinung nach hat sich das Orchester deshalb so positiv unter Kamioka entwickelt, weil er nicht nur für die Zuhörer, sondern auch auf uns Orchestermitglieder eine besondere Ausstrahlung hat. Er sprüht schon bei der ersten Probe vor Energie, reißt alle mit und spornt uns zu Höchstleistungen an. Da keine Probe und kein Konzert gleich sind, sitzt man immer auf der Stuhlkante.

Am 19. November treten Sie nicht in großer Besetzung mit dem Orchester, sondern als Trio auf — zusammen mit Elena Fink und Hartmut Müller. Die Zusammensetzung ist wahrhaft außergewöhnlich. Wie kamen Sie auf die Idee, Harfe, Sopran und Tuba zu verbinden?

Randlinger-Bilz: Die Idee hatte unser Tubist Hartmut Müller. Als er mich ansprach, hatte ich überhaupt keine Vorstellung, wie diese Kombination klingen soll und welche Stücke sich finden lassen. Aber meine Neugier war geweckt. Heute bin ich froh, dass Elena Fink und ich uns haben überzeugen lassen.

Welche Stücke vereint die CD Ihres Trios, die Sie am 19. November in der Stadthalle vorstellen?

Randlinger-Bilz: Auf der CD findet man eine interessante Mischung aus „Originalem und Originellem“. In der Barockzeit war man sehr flexibel in der Besetzung der verschiedenen Stimmen. Man nahm die Instrumente, die gerade vorhanden waren, aber damals sicherlich keine Harfe und Tuba.

Auf welche weiteren Einsätze freuen Sie sich in dieser Saison?

Randlinger-Bilz: Es gibt eigentlich keine Projekte, auf die ich mich nicht freue. Besonders schätze ich die Vielseitigkeit, zum Beispiel im 4.Sinfoniekonzert die drei Suiten von Tschaikowski (mit schönen Harfenkadenzen). Ich freue mich auch darauf, in der Operette „Glückliche Reise“, später beim „Maskenball“ und natürlich bei den bevorstehenden Kammerkonzerte in verschiedenen Besetzungen spielen zu dürfen.