1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Großeinsatz: 200 Schüler entdecken „Carmen“

Großeinsatz: 200 Schüler entdecken „Carmen“

Beste Werbung für die Oper: 60 Sinfoniker spielen mit Jugendlichen.

Wuppertal. "Das macht voll Spaß" - so lässt sich zusammenfassen, was in der Stadthalle passiert. 60 Musiker des Sinfonieorchesters Wuppertal unter der Leitung von Toshiyuki Kamioka erhalten Unterstützung von 200 Schülern, um nach der Konzeption von Udo Mertens gemeinsam die schönsten Stücke aus George Bizets Oper "Carmen" aufzuführen.

ToshiyukiKamioka gibt Instrumentenkunde.

Dabei lernen die Schüler den Alltag der Orchestermusiker kennen. "Es ist voll komisch, aber toll", kommentiert Konzertmeisterin Friederike Michael ihre Aufgabe, das Orchester zum Stimmen aufzufordern. Denn 260 Musiker, davon 36 Querflöten, 30 Klarinetten oder vier Harfen, überblickt auch ein Profi eher selten. "Uns ist wichtig, dass die Schüler Spaß am Musik machen erhalten. Auch wenn das Programm für alle eine große Herausforderung darstellt", betont Mertens.

Sichtlichen Spaß haben nicht nur die Schüler, sondern auch die Profis, obwohl in der Orchesterprobe des ersten Teils alle gleichermaßen ermahnt und gelobt werden. Schüler wie Publikum lernen die verschiedenen Themen und Rhythmen und die damit verbundenen Emotionen und technischen Schwierigkeiten kennen.

Kamioka schafft es mit seinem mitreißenden, enthusiastischen und gleichzeitig präzisen Dirigat, auch die Musiker am letzten Pult dazu zu bringen, nicht in die Noten zu starren, sondern mit freudigem Blick zurück zu lächeln. Spätestens da wird auch den Eltern deutlich, was ihre Kinder eigentlich in einer Orchesterprobe erleben - und dass diese Arbeit belohnt wird mit einem tollen Konzert und viel Applaus.

Quasi nebenbei geht es um instrumententypische Probleme: "Das Fagott ist so ein langes Instrument, dass es dauert, bis ein Ton herauskommt", erklärt Kamioka den Grund für den verzögerten Einsatz beim Solo. Außerdem erfährt das Publikum beim Durchlauf im zweiten Teil die Handlung der Oper.

In pointiert aktuellen Formulierungen zwischen den Nummern kann jeder Jugendliche die Handlung nachvollziehen: Er will sie, sie will ihn nicht, und so weiter, bis sie stirbt. Die Musik erhält plötzlich Bedeutung, "da hört man ja echt, wie sie stirbt", heißt es in den Zuschauerreihen.

Was beweist: Die Kunstform Oper ist für die begeisterten Schüler sicherlich nicht mehr langweilig und altmodisch. Und man darf hoffen, dass es auch im kommenden Jahr wieder ein solches Projekt gibt.