Grölles Bilder bieten „Hitze und Dynamik“

Ausstellung : Grölles Bilder bieten „Hitze und Dynamik“

Zum 60. Geburtstag zeigt der Galerist Jürgen Grölle seine eigenen Bilder in zwei Räumen.

Die Galerie grölle pass: projects gibt es seit 2010, und seit diesen acht Jahren bekommen ihre Besucher frische Kunst von nah und fern zu sehen. Was sie nicht sehen und so auch kaum kaufen können, ist die eigene Kunst von Jürgen Grölle: Zum 60. Geburtstag kommen seine Bilder aus Jahrzehnten nun selbst in den Blick und zum Verkauf.

Die Paare Klassen und Koch sind Weggefährten des Künstlers, und sie stehen mit hinter der Schau – von Idee bis Realisierung. Kim Ludolf Koch erzählt: „Auf einer Autofahrt kam uns der Einfall, wir telefonierten. Und dann ging es ziemlich schnell.“ Konkret ging es an die Schätze, die im Untergeschoss der Galerie lagen – man muss wohl sagen: lagerten. Regale und Kisten wurden durchstöbert, Werke gesichtet und ausgewählt. „Es hat Spaß gemacht.“ Peter Klassen ist bei der Stadtsparkasse zuständig für das Ausstellungsprogramm; auch für Grölle, den er schon Jahrzehnte kennt, kümmerte er sich nicht zuletzt um den Katalog.

Grölles Werk lässt sich nach zwei Phasen unterscheiden. In der Geburtstagsausstellung ist das Teil der Struktur: Arbeiten vor Ende der 90er Jahre hängen in Raum 2, gehören auch erkennbar zusammen, und Andreas Sturies sagt im Katalog zu ihnen: „Eine Hitze und Dynamik, die andernorts so noch nicht gesehen worden ist und vorbildlos ist.“ Dies gilt, obwohl Koch, selbst Besitzer einiger Grölle-Bilder, das Frühwerk einordnet als „klassische Moderne“, durchaus als Zeugnis einer Zeit – aber eines, das auch heute „funktioniert“.

Nicht zuletzt die Hängung, das bedachte Anordnen für eine Ausstellung, war denn auch für die Ad-hoc-Galeristen eine ungewohnte Erfahrung.

Das Konzept besteht
aus Malen und Fördern

Raum 1 ist der Phase ab Ende der 90er gewidmet. Diese Werke wirken einerseits ruhiger und geplanter; einen eigenen Akzent gibt hier der Umstand, dass einige Titel tragen, etwa „Hubschrauberlandeplatz“. Wieweit sie das Gesehene konkreter machen, liegt wohl im Auge des Betrachters. Zu den Ausnahmen der Zweiteilung gehört ein Werk der Abteilung „neu“, das dennoch in Raum 2 hängt: Es zeigt das EKG von Peter Kowald. Grölle hatte die Jazzgröße 2002 kurz vor ihrem Tod im Krankenhaus besucht.

Und diese besondere Freundschaft mag Beispiel sein für das Konzept Grölle, um das es letztlich geht: Nicht nur dass der Galerist früher auch gemalt hat, er dilettierte auch am Saxofon und spielte im Quartett „SCOLA“. Heute fördert seine Galerie auch junge Künstler; nicht nur im Titel stehen die „projects“, auch bei der letzten Performance-Nacht war er dabei. Die Macher der Geburtstagsschau sehen auch den großen Kontext von Malen bis Fördern, der im Hintergrund wohl immer dazu gehörte. Vielleicht nur fällig, es zum Sechzigsten einmal in den Vordergrund zu bringen – nicht zuletzt an Liebhaber und Käufer.