Grenzen können auch überwunden werden

Grenzen können auch überwunden werden

Ausstellung mit Arbeiten von Driss Ouadahi eröffnet.

Künstler gelten als Seismographen ihrer Zeit, die ein feines Gespür für die Lebensumstände der Menschen haben. Driss Ouadahi setzt dieses Gespür in tiefgründige, feine Bilder um. Er prangert Gewalt und Unmenschlichkeit nicht plakativ an, er blickt tiefer, legt Strukturen und Auslöser offen. Und dies auf anmutige, schön anzusehende Weise. Im Beisein vieler Besucher wurde gestern eine Ausstellung des algerischen Künstlers in der Von der Heydt-Kunsthalle eröffnet. Museumschef Gerhard Finckh und Museumsmitarbeiterin Anna Storm, die Kuratorin Beate Eickhoff vertrat, führten in die Ausstellung ein, die in vier Räumen 22, zumeist großflächige Bilder Ouadahis sowie sieben Objekte von nordafrikanischen Künstlern zeigt, die die Wirkung seiner Arbeiten ergänzen und ins Gegenständliche erweitern.

Der Titel „Systeme der Abgrenzung“ macht auf die gesellschaftliche und soziale Aktualität der Arbeiten des seit vielen Jahren in Deutschland lebenden Künstlers aufmerksam. In seinen Arbeiten kombiniert er zwei Interessen, das für die streng serielle Architektur und das für die sinnliche Malerei. Er male die modernen Metropolen, so Storm, in aller Vielfalt, sinnlich und farbgewaltig: „In seinen urbanen Landschaften, aber auch in seinen Zaunbildern geht es um Themen wie Migration, Kolonialisierung, Be- und Ausgrenzung.“ Der 1959 geborene Künstler malt seine Strukturen abstrakt oder präzise realistisch, mit mehreren Farbschichten oder feinem Strich. Oft lässt er den Betrachter durch, an Baugerüste erinnernde, Raster blicken. Dabei zeigt er nicht nur die Enge, Kälte und Unmenschlichkeit moderner Hochhauskomplexe, sondern auch deren ästhetische Faszination. Er malt nicht nur Zäune, sondern macht sie durch Löcher durchlässig. Storm: „Damit sagt er, dass Grenzen auch überwunden werden können.“

Finckh machte auf die umfangreiche Vorarbeit der Ausstellung aufmerksam. Samt lesenswertem Katalog, „Meilenstein der Kunstgeschichte“ und Wandbild des Künstlers, das nach der Ausstellung das Zeitliche segnen werde. mws