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Jazz: Grandioser Abend mit Mathias Haus

Jazz : Grandioser Abend mit Mathias Haus

Der Vibraphonist war im Friday Night Jazz Club zu Gast und wusste das Publikum zu begeistern.

Jeden letzten Freitag eines Monats heißt es „Friday Night Jazz Club“ in der Bandfabrik an der östlichen Stadtgrenze Wuppertals. Die Reihe ist Kult. Aus Nah und Fern kommen ausgezeichnete Musiker für Gastspiele dorthin. Nicht weit hatte es dieses Mal der in Wuppertal ansässige Vibraphonist Mathias Haus, der mit seinem Quartett in der ausverkauften Kulturstätte für einen grandiosen Abend sorgte.

Der US-amerikanische Jazz-Vibraphonist Gary Burton ist eine lebende Legende. Bei ihm ging Haus in die Schule. Doch nicht nur im Jazz kennt sich der Dozent der Musikhochschule aus. Auf dem Gebiet der klassischen Moderne bewegt er sich genauso souverän. Konzerte etwa unter Hans Werner Henze, Mauricio Kagel und Manfred Trojahn zeugen davon. Mit vielen berühmten Musikern und Orchestern hat zu zusammengearbeitet. Weltweit in aller Munde. Diesen reichhaltigen Erfahrungsschatz brachte er nun mit nach Langerfeld in den kleinen Saal mit seiner intimen Club-Atmosphäre. Alte und neue eigene Nummern hatte er mit im Gepäck, die auf seiner jüngsten Doppel-CD „Tales along the path of life“ verewigt sind.

Die Musiker waren perfekt aufeinander abgestimmt

Die bis auf Improvisationen fein durchkomponierten Stücke sind komplex und stilistisch vielfältig: ruhig-kontemplativ, kraftvoll-aufbrausend, fröhlich-beschwingt oder balladesk. Mal ist es Jazz pur, mal sind die Grenzen hin zur modernen Klassik aufgehoben. Tradierte Akkorde werden geschickt alteriert (chromatisch verändert). Die Titel wie „Heart of the Sun“, „44“, „Marie“, „Club der Labradore“ und „Das Glück der N8“ sprühen vor musikalischem Einfallsreichtum und meisterhafter Satztechnik.

Hinzu kommt seine höchst virtuose Beherrschung seines Schlaginstruments. Hinter seinem einstigen Lehrer braucht er sich wahrlich nicht zu verstecken. Mit den vier Schlägeln in seinen beiden Händen entlockte er dem Vibraphon alle nur denkbaren Klangfarben. Dabei streichelte er zart die Metallplatte, konnte aber auch kräftig zuschlagen. Lyrische und energische Momente alternierten höchst spannend. Bei seinen brillanten solistischen Einlagen bewegten sich die Schlägel wieselflink auf dem Instrument.

Diesem hohen musikalischen und spieltechnischem Niveau standen Hendrik Soll (Klavier, Keyboards), Andre Nendza (Kontrabass) und Schlagzeuger Mirek Pyschny in nichts nach. Sie faszinierten mit kunstfertigen Soli. Perfekt eingespielt präsentierte sich das Quartett. Jeder Einsatz, jeder noch so vertrackte Wechsel im Ablauf stimmte auf den Punkt. Wie mit einem blinden Verständnis füreinander warf man sich die musikalischen Spielbälle zu.