Geschenke für Wuppertal: Das Museum wird immer moderner

Geschenke für Wuppertal: Das Museum wird immer moderner

Familie Robke stiftet zwei Bilder und bereichert damit die städtische Sammlung.

Wuppertal. „Hinter der Schönheit lauert das Grauen.“ Gerhard Finckh muss es wissen. Der Leiter des Von der Heydt-Museums steht vor einem Werk von Tamara K. E. und freut sich über die Verwirrung, die das Gemälde stiftet. Denn die sanften Farben täuschen. „Eigentlich geht es auf dem Bild ja brutal zu.“

Verantwortlich dafür ist eine Künstlerin aus Georgien: Die Arbeit von Tamara K. E. wurde gestern offiziell übergeben und ist buchstäblich auf höchster Ebene zu finden — am Treppenaufgang zur zweiten Etage.

Wer die Treppe erklimmt, nähert sich der modernen Bildwelt frontal — Schritt für Schritt. Erst sieht man nur zarte Pastelltöne, dann erkennt man, worum es eigentlich geht: Ein Mann hat sich bedrohlich in Position gebracht. Er hält einen Stock — einen Baseballschläger? — in Händen, holt gefährlich weit aus und scheint zu allem bereit zu sein. Dabei ist sein Gegner bereits besiegt: Ein regloser Körper liegt auf dem Boden.

Finckh gefällt’s, denn hinter dem Werk steckt noch viel mehr — eine großzügige Geste, um genau zu sein. „Pioneer“ heißt das großformatige Ölgemälde, das 2007 entstanden ist und das die Renate und Eberhard Robke Stiftung nun dem Kunst- und Museumsverein spendiert.

Doch das ist längst nicht alles: Auch Per Kirkeby ist neuerdings auf der zweiten Etage vertreten. Das Ölgemälde des Dänen hat keinen Titel, aber stattliche Ausmaße: Auf 200 x 130 Zentimetern treffen sich horizontale und vertikale Linien — vorzugsweise in Schwarz, Rot und Blau.

Was Finckh daran fasziniert? „Es gibt verschiedene Schichten, man findet immer neue Elemente.“ Zum Beispiel am unteren Bildrand: Ob sich dort Katzenköpfe in einer Gesteinsschicht verstecken? Der Verdacht ist alles andere als abwegig, denn Kirkeby war ausgebildeter Geologe. Das erklärt er auch, weshalb der Maler einst eine Dissertation zur „arktischen Geologie der Quartärperiode“ geschrieben hat.

Doch zurück zu den malerischen Erkenntnissen: Die beiden Werke, die Wand an Wand hängen, haben Entscheidendes gemeinsam, sind aber dennoch grundverschieden. Was sie verbindet? Aus der Sicht von Eberhard Robke sind beide Blickfänge museumsreif.

Vor allem Kirkebys Schichtungen haben es dem Mäzen angetan. „Es war schwierig, das Bild zu erwerben“, erklärt der Kirkeby-Fan. „Ich wollte es aber unbedingt haben.“ Am Ende war Robke erfolgreich und konnte sich sein Lieblingsbild sichern — allein für das Gemälde des Gelogen hat der Wuppertaler einen sechsstelligen Betrag auf den Tisch gelegt.

Davon soll nun jeder profitieren, der dem Museum einen Besuch abstattet. Erst einmal hängen beide Bilder im zweiten Stock. Im September werden sie der großen Sisley-Schau Platz machen und eine Etage tiefer wandern — was jedoch kein Abstieg sein soll, wie Finckh betont. Im Gegenteil: „Wir haben langsam eine schöne moderne Abteilung beisammen — und in jüngster Zeit so viele Schenkungen und Dauerleihgaben erhalten, dass wir daraus eine eigene Präsentation machen wollen.“ Parallel zu Sisley wird es deshalb eine Ausstellung geben, die die neuen Schätze der eigenen Sammlung feiert — mit allen schönen Seiten, aber auch mit allen Abgründen, die für Finckh dazugehören.

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