„German Song“: Alte Verse in einer neuen Multimedia-Show

„German Song“: Alte Verse in einer neuen Multimedia-Show

Lyrik leicht verständlich: Eine außergewöhnliche Kooperation setzt Gedichte von Else Lasker-Schüler modern in Szene.

Wuppertal. „Lyrik ist nicht unbedingt leicht. Das weiß ich als Lehrer.“ Nun ist Heiner Bontrup aber nicht allein als Pädagoge an der Gesamtschule Else Lasker-Schüler engagiert, sondern auch als Autor aktiv. So trifft es sich bestens, dass er im Kleinen Schauspielhaus beides verbinden kann: Eine pädagogisch wertvolle „Nachhilfe“ in Sachen Lyrik und Literatur soll es am 27. Februar geben.

„German Song“ heißt das Projekt, das erstmals an der Kluse zu erleben ist — als Mischung aus Literatur, Tanz, Musik und Film. Dabei soll die Multimedia-Show nicht nur Schülern den Zugang zu Gedichten und zur Geschichte erleichtern. Die Kooperation zwischen den Wuppertaler Bühnen und der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft bringt die unterschiedlichsten Stile und Protagonisten zusammen — umtönt von Jazz-Klängen und Techno-Beats.

Denn die Autoren Heiner Bontrup und Ulrike Müller wollen Brücken bauen — zwischen Gospel und Hip-Hop, aber auch zwischen Liebesgedichten und Kriegsberichten. Für sie geht es darum, aus alten Versen „neue Sinnfunken zu schlagen“. Zeitgemäße Ausdrucksformen haben sie gefunden: Mit den Mitteln moderner Videoclip-Ästhetik wollen sie den Zugang zu Werken von Else Lasker-Schüler, Paul Celan und Gottfried Benn erleichtern. Auch Uwe Timms Roman „Am Beispiel meines Bruders“ spielt eine zentrale Rolle. „Es ist im Grunde ganz einfach“, erklärt Bontrup. „Man muss sich nur zurückfallen lassen, hören, wie die Musiker dem Rhythmus der Gedichte nachspüren, und sehen, wie das Videobühnenbild und die Tänzerin die Texte in ihre visuelle Sprache übersetzen. Auf eine ganz sinnliche Weise erschließt sich so der Sinn der Gedichte von ganz alleine.“ Das zumindest verspricht der Autor.

„Es ist nicht nur eine Nabelschau“, betont Bontrup, der ein zentrales Thema anspricht: die Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit. „Wir wollen ein hoffnungsvolles Zeichen setzen und der Welt der Gewalt etwas Glänzendes, Schönes, Strahlendes entgegensetzen.“ Enno Schaarwächter überlässt ihm deshalb gerne die Bühne, zumal es „auch eine Gelegenheit ist, neue Zuschauerschichten zu erreichen“. Der Bühnen-Geschäftsführer sieht es so: „Unser Spielplan ist zwar eng gestrickt. Aber wenn Qualität auf Qualität trifft, sind wir immer bereit, die Tür zu öffnen.“

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