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Geringe Zuschauerzahl setzt Wuppertaler Bühnen unter Druck.

Absage : Oper cancelt „Die Zauberflöte“-Termine, Schauspiel spielt vor 34 Zuschauern

Coronakrise: Geringe Zuschauerzahl setzt Wuppertaler Bühnen unter Druck.

Mozarts „Die Zauberflöte“ ist eine rätselhafte Oper, Bernd Mottl hat daraus eine spritzige Inszenierung für die Wuppertaler Oper gezaubert, die verschiedene Medien, Locations und Zeiten erfrischend durcheinandermischt. Sehr zur Freude der Zuschauer. Im September wurde Premiere gefeiert, seither gab es zwar wenige, aber ausverkaufte Aufführungen. Die Coronakrise hatte schon Vorbereitungen und Probenarbeit stark beeinträchtigt, nun unterbindet sie den Kunstgenuss vorerst gänzlich. Die beiden Aufführungen am kommenden Wochenende mussten kurzfristig abgesagt werden.

Schon vor einer Woche war eine Vorstellung komplett storniert worden, nachdem die Stadt verfügt hatte, dass maximal 150 Zuschauer oder 20 prozentige Raum-Auslastung im Opernhaus zugelassen sind. In der Verfügung vom 21. Oktober nun sind nur noch 100 Zuschauer oder 20 prozentige Auslastung erlaubt, es sei denn, es gibt ein Hygiene- und Infektionsschutzkonzept, das dem einzelnen Zuschauer rundherum 1,50 Meter Abstand sichert. Um das einzuhalten, müsste das Platzkonzept der Oper, das bislang jede Reihe nutzt, überprüft und geändert werden. Die Geschäftsleitung der Bühnen wollte sich gestern nicht dazu äußern, betonte jedoch, dass es fairer sei, die Aufführungen erstmal abzusagen.

Opern-Intendant Berthold Schneider reagiert enttäuscht: „Große Opernaufführungen mit vielen Beteiligten auf und hinter der Bühne sind bei dem extrem limitierten Platzangebot nicht mehr sinnvoll durchführbar.“ Dabei gehörten Theater derzeit zu den sichersten Orten überhaupt. Er fordert: „Durch den Verzicht auf Theateraufführungen wird es uns nicht gelingen, die Pandemie einzudämmen. Vielmehr müssen wir die unterschiedlichen Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens differenziert nach ihrem Infektionsrisiko betrachten.“

Außerdem will sie an der für das darauffolgende Wochenende geplanten konzertanten Premiere vom „Barbier von Sevilla“ festhalten. „Die Zauberflöte“ steht dann wieder für den 8. November an. Marketingreferentin Sara Teckenberg: „Wir sind immer bemüht, neue Aufführungstermine anzubieten, aber die Möglichkeiten sind wegen der Belegung der Bühne begrenzt.“

Etwa, weil hier auch das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch auftritt. Ab 21. November soll für sieben Tage „Das Stück mit dem Schiff“ aufgeführt werden. Aktuell wird mit der Stadt über Auslastung und Schutzkonzepte gesprochen.

Die Stadthalle hat gerade erst beim 2. Sinfoniekonzert erlebt, wenn sich hundert Zuschauer im Großen Saal „verlieren“. Nun passt Geschäftsführerein Silke Asbeck die Bestuhlung an die geforderten Abstände von 1,50 Meter an. Was pro Reihe jeweils drei freie Plätze zwischen den Parteien bedeutet. Dafür müsse man keine erweiterte Rückverfolgung gewährleisten – heißt nachweisen, wer wo bei einer Veranstaltung gesessen habe. Dennoch, so Asbeck, „können wir über die Karten lückenlos aufklären“, wenn es denn erforderlich werden sollte. Unabhängig davon muss sie weitere Ausfälle hinnehmen: Das Klavierfestival mit seinen drei Terminen wurde abgesagt, das Opernkonzert des Cronenberger Männerchors in den April 2021 verlegt. „Wir haben bis zum Jahresende fast nur noch das Sinfonieorchester im Haus“. Außerdem das Landesjugendorchester, das am 25. Oktober zwei statt einem Konzert gibt, um die reduzierte Zuschauerzahl wenigstens etwas aufzufangen. Sowie das Musikhochschulorchester, das am 1. November zu Gast sein will.

Theater gehören zu den sichersten Orten in der Pandemie

Aus eins macht zwei ist ein Schritt, den auch das Schauspiel geht, um große Nachfrage und reduzierte Platzzahl überein zu kriegen. „Benefiz“ von Ingrid Lausund wird am kommenden Sonntag um 17 und 20 Uhr aufgeführt, dafür entfällt der Termin um 18 Uhr. Bei aktuell 34 Zuschauern, nachdem die Spielzeit zuvor schon mit 50 prozentiger Auslastung auskommen musste. Dennoch, so Intendant Thomas Braus, habe er alle Stücke des Spielplans retten können, biete soviel wie nie an und erfahre eine entsprechend große Nachfrage. Die Reduzierungen kann er nicht verstehen, „weil es bisher keinen einzigen Nachweis dafür gibt, dass ein Theater ein Hotspot ist“. Braus verweist auf das gute Hygienekonzept: Beide Bühnen seien gut durchlüftet, das Publikum trage Mundschutz, rede nicht. Begegnungen der Zuschauer werden auch durch ein ausgefeiltes Ein- und Auslasssystem minimiert, bei „Atlas“ von Thomas Köck auf die zur Inszenierung gehörde Podiumsdiskussion verzichtet. Die Zuschauer fühlen sich sicher, so Braus: „Es passiert nichts, warum differenziert die Politik nicht?“, fragt er und weist darauf hin, dass das Schauspiel auch deshalb bislang keine Aufführungen canceln muss, weil es einen geringeren Aufwand betreiben müsse als das Musiktheater. Natürlich weiß der Intendant um die geringeren Einnahmen, die auch bei 50-prozentiger Auslastung zu verzeichnen waren, er sorgt sich um die Kunst, deren Systemrelevanz mal wieder faktisch in Frage gestellt werde.

Und fragt sich, wie es weiter geht: „Die Reduzierungen sind schon hart. Aber wir spielen weiter.“