Geht die "Dame am Fenster" zurück an die Erben der ursprünglichen Besitzer?

Geht die "Dame am Fenster" zurück an die Erben der ursprünglichen Besitzer?

Das Bild gehörte einst einem jüdischen Ehepaar und wurde 1942 von den Nazis beschlagnahmt. Noch befindet es sich im Besitz des Von der Heydt-Museums — der Kulturausschuss hat sich jetzt mit einer möglichen Rückgabe an die Erben beschäftigt.

Wuppertal. Im letzten Kulturausschuss vor der Kommunalwahl hat Museumsdirektor Gerhard Finckh ausführlich über die Umstände berichtet, die zur Rückgabe eines Bildes aus ehemals jüdischem Besitz führen. Das Gemälde „Dame am Fenster“ von Caspar Netscher von 1666 zeige die Probleme, die Fragen der Restitution — also der Zurückgabe geraubter oder zwangsverkaufter Kulturgüter — aufwerfen.

Diese Nachforschung sei eigentlich Aufgabe des Bundes. Keine Frage, dass ein mittelgroßes Haus wie das Wuppertaler Von der Heydt-Museum mit nahezu kriminalistischen Forschungen, die Jahre dauern können, personell und finanziell überfordert ist. Finckh: „Wir können nicht nur Restitutionsfragen klären, dann bleibt die andere Museumsarbeit auf der Strecke.“

Das hat die Recherche ergeben: Das Bild existiert in sieben Fassungen. Die Nummer 93 unter dem Rahmen hat darauf verwiesen, dass es das Bild der ursprünglichen Besitzer ist, aber eigentlich der Alten Pinakothek München gehörte. Damals wurden offensichtlich häufiger Bilder, möglicherweise unter dem Druck der Nazis, getauscht.

So erhielt der Kunsthändler Böhler das Bild, der es 1938 an einen niederländischen Kunsthändler weiterverkaufte. Dieser wiederum verkaufte an den Sammler Hugo Andriesse in Belgien. Die Sammlung des jüdischen Ehepaares Hugo und Elisabeth Jacoba Andriesse wurde 1939 im Bunker des Königlichen Museums in Brüssel eingelagert, nachdem das Ehepaar in die USA geflohen war. 1942 wurde es vom Einsatzstab Rosenberg — einer Rauborganisation der NSDAP für Kulturgüter — beschlagnahmt.

Aus der „Liste der für die Sammlung des Reichmarschalls Hermann Göring abgegebenen Kunstgegenstände“ geht hervor, dass das Bild 1942 nach Paris verschafft wurde. Nach dem Ende der Naziherrschaft kam das Bild nach Köln zur Kunsthändlerin Änne Abels. Diese verkaufte es an Rudolf Ziersch. Die Familie schenkte es 1952 dem Von der Heydt-Museum.

Hugo Andriesse verstarb 1942, seine Frau 1963 in den USA. Ihre Erben — verschiedene Stiftungen in den USA — begehren nun die Herausgabe des Bildes. Gerhard Finckh: „Natürlich müssen wir Bilder, die verfolgungsbedingt gestohlen wurden, zurückgeben. Dazu sind wir nach der Washingtoner Erklärung von 1998 verpflichtet. Aber die Museen müssen auch so ausgestattet werden, dass sie diese komplexen Nachforschungs-Vorgänge leichter und besser bewältigen können.“

Die grundsätzliche Herausgabe des Bildes erfolgt vorbehaltlich der noch ausstehenden Antwort des Wiedergutmachungsamtes, ob bereits Entschädigungszahlungen erfolgt sind. Der Kulturausschuss stimmte nach Anhörung der Empfehlung an Hauptausschuss und Stadtrat zu. Der Stadtrat entscheidet in seiner Sitzung am 24. Februar über die Rückgabe.

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