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Gefragte Gäste: Wuppertaler Sinfoniker steigen in Japan auf

Gefragte Gäste: Wuppertaler Sinfoniker steigen in Japan auf

Auf seiner zweiten Asien-Tour spielt das Orchester in der ehrwürdigen Suntory Hall. Direktor Heiner Louis freut sich über die Ehre und die Marketing-Effekte.

Wuppertal. Herr Louis, gerade erst hat das Sinfonieorchester die Spielzeit mit einem Besucherrekord abgeschlossen. Nun steht ein neuer Spitzenwert in Aussicht: In der neuen Saison geben die Musiker so viele Gastspiele wie nie zuvor.

Heiner Louis: Ja, die letzte Saison war sehr erfolgreich. Und die kommende wird noch heftiger. Wir geben 58 Konzerte in Wuppertal und 16 Gastspiele.

Louis: Was die Gastspiele betrifft, stehen uns in der Tat Ausnahme-Monate bevor. Dabei ist die allgemeine Lage auf dem Gastspiel-Markt eigentlich schwierig - selbst für Spitzenorchester. Dass wir so gefragt sind, freut uns umso mehr.

Louis: In New York sind wir - anders als bei unseren Sinfoniekonzerten - nur ein Teil des Ganzen, aber natürlich sehr gerne dabei. Die Einladung ist eine Riesen-Auszeichnung - für das Musiktheater und für Wuppertal. Die Stadt hat zuletzt sehr oft negative Schlagzeilen gemacht. Durch die Spardiskussion hat Wuppertal ein schlechtes Image bekommen. Eine solche Anerkennung bringt Wuppertal - weit über die Stadtgrenzen hinaus - wieder in einen positiven Kontext. Das ist sehr wichtig für die Stadt.

Louis: Sie haben einen riesigen Marketing-Effekt - für das Orchester, aber auch für die Stadt. Nicht nur für die Außenwahrnehmung sind sie extrem wichtig. Sie wirken auch nach innen. DasOrchester spielt hauptsächlich in der Wuppertaler Stadthalle. Dort kennen die Musiker die Bühne, die Akustik, das Umfeld. Während der Japan-Tournee müssen sie sich fast jeden Tag auf einen anderen Saal und eine andere Akustik einstellen. Eine erfolgreiche Tournee ist gut für das Selbstbewusstsein und lässt ein Orchester noch mehr zusammenwachsen.

Louis: Damals haben wir fünf Konzerte in neun Tagen gegeben, fast ausschließlich in Tokio und Umgebung. Nun sind es zehn Konzerte in 13 Tagen. Es wird also viel anstrengender. Wir reisen mehr durch das Land, und in Tokio werden wir auch in der Suntory Hall auftreten. Dort spielen sonst die Wiener und Berliner Philharmoniker.

Louis: So kann man es sagen. Es ist ein Aufstieg und ein Beleg dafür, dass wir den Test bestanden haben. Auf der ersten Tournee wurde geprüft, ob wir der Suntory Hall würdig sind. Diese Herausforderung haben wir bestanden.

Louis: Wir haben durch Toshiyuki Kamioka deutlich an Qualität gewonnen. Auch die Tatsache, dass wir speziell in Japan so gefragt sind, ist ein Verdienst des Chef-Dirigenten: Die Japaner finden es faszinierend, wenn ein Landsmann in einer der Wiegen der klassischen Musik Karriere gemacht hat.

Louis: Veranstalter haben in der Regel recht konkrete Vorstellungen, weil sie wissen, was auf ihrem Markt nachgefragt wird. Das muss sich dann mit dem decken, was ein Orchester leisten kann. In diesem Fall hat es sich gedeckt.

Louis: Wir planen die Reise seit zweieinhalb Jahren. Direkt nach dem Konzert am 3. Oktober werden die Instrumente verpackt und reisefertig gemacht. Schon am nächsten Tag geht es dann nach Japan. Man muss bedenken, dass wir kein klassisches Tournee-Orchester sind. Für uns ist das Reisen keine Selbstverständlichkeit. Deshalb muss alles bestens vorbereitet sein. Außerdem ist das Repertoire mit Wagner und Mahler sehr anspruchsvoll. Während einer solchen Tournee ausgiebig zu proben, ist nicht möglich. Auch zum Üben wird kaum Zeit bleiben. Da muss man von Beginn an fit sein.

Louis: Draufzahlen werden wir auf keinen Fall. Die japanischen Veranstalter übernehmen alle Kosten. Das allein ist schon eine sehr komfortable Situation. Normalerweise muss man Geld mitbringen, wenn man auf Tournee geht. Wenn es gut läuft, bleibt vielleicht sogar ein kleiner Betrag übrig.