Galerie Epikur: Die Streichhölzer menscheln

Galerie Epikur: Die Streichhölzer menscheln

Der Künstler Wolfgang Stiller zeigt eine beziehungsreiche Rauminstallation.

Wuppertal. Wie von einem Riesen dahin geworfen liegen gigantisch große Streichhölzer in der Galerie Epikur auf dem Boden. Andere sind sorgsam nebeneinander an der Wand aufgestellt. Ihre Besonderheit ist aber nicht nur die Größe. Die zündende Spitze der Holzstäbe ist als menschlicher Kopf gestaltet. Streichholzköpfe eben - der Künstler Wolfgang Stiller hat diese Bezeichnung wörtlich genommen. Unter dem Titel "Matchstickmen" zeigt er seine monumentalen Streichhölzer samt passenden Schachteln im großen Raum der Galerie.

"Darauf muss man erstmal kommen", hört man mehrere Besucher der Ausstellungseröffnung sagen. Stillers handwerklich anspruchsvoll ausgeführte Arbeit ist verblüffend und bietet vielfältige Assoziationen.

Der in Wiesbaden geborene Stiller verbrachte zwei Jahre in Tokio als "Artist in residence". In dieser Zeit nahm er für sein Kunstprojekt von 25 chinesischen Personen eine Maske ab. Ausgehend davon schuf er aus Hartschaum die Streichholzköpfe mit den individuellen Gesichtszügen. Insbesondere durch den chinesischen Bezug sieht sich der Betrachter bei den aufgestellten Streichholz-Menschen an die berühmte Terrakotta-Armee von Kaiser Qín Shihuángdìs aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert erinnert. Auch der schaurige Gedanke an zur Erschießung an die Wand gestellte Menschen kommt auf.

Auch bei den auf dem Boden verteilten Hölzern, die zunächst so lässig hingeworfen aussehen, schwingt Bedrückendes mit. Es sind einige frische Exemplare dabei, überwiegend aber sind es bereits benutzte Stücke mit schwarz verkohlten Köpfen. Das erzeugt das ungute Gefühl, als seien da Menschen verheizt worden, oder sie haben sich selbst im übergroßen Einsatz verausgabt, also regelrecht verbrannt.

"Natürlich denkt man da an die Ausbeutung von Arbeitern in China und an vielen anderen Orten der Welt", räumt der Künstler ein. Darauf allein möchte er sein Werk allerdings nicht festgelegt wissen. Deshalb habe er auch auf die großen Schachteln bewusst kein Zeichen und keine Schrift aufgetragen. Es geht den Künstler gerade um das breite Spektrum an Assoziationen, also sowohl um das Verspielte und Gewitzte als auch um den ernsten Hintergrund.

Im Kabinett der Galerie Epikur zeigt Stiller unter dem Titel "Aspects of life" zudem noch weitere Arbeiten. Auf zahlreichen kleinformatigen Farbmusterkarten hat er gemalt und gezeichnet. Die typische Lochung der Karten benutzt er zur Anbringung. Mit einer schlichten Pinnnadel hat er sie in Reihen an der Wand befestigt. Köpfe und andere menschliche Körperteile, Insekten, Pflanzen oder biomorphe Farbflecken sind auf den Karten zu sehen. Zusammen bilden sie ein spannungsreiches Feld aus Farben und Motiven.

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