Kinder- und Jugendtheater: Funkes „Drachenreiter“: Gänsehaut-Momente und viel Spaß

Kinder- und Jugendtheater : Funkes „Drachenreiter“: Gänsehaut-Momente und viel Spaß

Lars Emrich setzt in der Inszenierung von Cornelia Funkes „Drachenreiter“ im Kinder- und Jugendtheater ganz auf theatrale Illusion.

Wuppertal. Riesig wirkt der Kopf des Drachens, der aus dem Dunkel hervorkommt. Etwas bedrohlich leuchten die blauen Augen. Sanft bewegt sich der Kopf und strahlt die Ruhe eines uralten Geschöpfs aus. Schnell vergisst man als Zuschauer, dass hinter dem Kopf kein gewaltiger Körper, sondern einfach ein Schauspieler steht.

Lars Emrich setzt in seiner Inszenierung von Cornelia Funkes „Drachenreiter“ im Kinder- und Jugendtheater ganz auf theatrale Illusion. Und es funktioniert hervorragend. Immer wieder gibt es Gänsehaut-Momente, weil die Szenen so poetisch umgesetzt sind. Die Schauspieler mit ihrer intensiven Bühnenpräsenz steuern einen großen Teil zum Gelingen bei. Und wenn sie auf der Treppe des Bühnenteils von Laurentiu Tuturuga stehen, das sich langsam bewegt, dann fliegt der Drache wirklich durch die Lüfte.

Eine wichtige Rolle spielt die Musik von Niels Wörheide. Unaufdringlich fügt sie sich in das Geschehen ein und verdeutlicht die Emotionen, verwandelt Sorge, Freude oder Sehnsucht in Klänge. Sie überbrückt Umbaupausen und unterstützt die Schauspieler. Überhaupt beweist Lars Emrich ein gutes Gefühl für Timing. Schon die erste Szene zeigt das: Der Homunkulus Fliegenbein führt in die Geschichte ein. Das künstliche Männchen - gleichermaßen dargestellt durch eine Marionette und den Schauspieler Jos Freudenthaler - erklärt, dass es abwechselnd klein und groß sein kann. Entsprechend wird jeweils die Marionette oder der Schauspieler angeleuchtet. Während Fliegenbein vom Drachen Lung, dem Koboldmädchen Schwefelfell und dem Jungen Ben erzählt, werfen Dino Capozza, Diana Nickel und Lasse Ulbricht je einen charakteristischen Satz von hinten ein. So werden die Charaktere gleich lebendig.

Um auf eineinhalb Stunden Spielzeit zu kommen, musste Emrich das 450-Seiten-Buch auf die wesentlichen Stationen reduzieren. In Hamburg treffen Lung und Schwefelfell auf den Waisenjungen Ben, der sehr wenig überrascht auf den Drachen reagiert. Freudig streichelt Lasse Ulbricht den Drachenkopf und bietet seine Hilfe an. Hinter Bücherstapeln taucht die Ratte Gilbert auf. Alleine durch seiner Art, zu gehen und sich zu bewegen, verkörpert Uwe Weinreich die Ratte. Er gibt dem abenteuerlustigen Trio einen Plan von dem Weg zum Himalaya. Dort sollen, so hat Lung gehört, weitere Drachen wohnen. Er hofft, dass seine Familie dort eine vor Menschen sichere neue Heimat finden könnte.

Die nächsten Abschnitte der Reise werden schlaglichtartig beleuchtet: Wie das Trio auf den Homunkulus trifft, der für das böse Ungeheuer Nesselbrand spioniert. Nesselbrand selbst (Tim Neuhaus) poltert zwar grantig, sieht aber mit seinem goldenen Drachenkopf gar nicht so furchterregend aus. Er fungiert einfach als geeigneter Gegenspieler zu Lung. Dieter Marenz spielt den Steinzwerg Kiesbart, der unwillig die goldenen Schuppen von Nesselbrand polieren muss. Sehr sympathisch wirken der Wissenschaftler Wiesengrund (Uwe Weinreich) und die Drachenforscherin Subaida (Rita Reineke), die den Reisenden wertvolle Hinweise geben. Schwefelfell mit ihrem bunt getupften Fell und ihren großen Ohren sorgt zwischendurch für Abwechslung und Entspannung, wenn sie mit Pilzbezeichnungen schimpft und über Ben motzt.

Für die märchenhaften Szenen gegen Ende lässt Emrich ebenfalls die Fantasie spielen. Der Dschinn Asif (Jonathan Lutz), in dessen hunderten Augen Ben den Saum des Himmels findet, umhüllt Ben mit seinem weich fallenden Umhang.

Das Feuerspeien von Lung wird mit roten Licht und Bühnennebel gezaubert. Und der Kampf zwischen Lung und Nesselbrand findet als Schattenspiel statt. Die Kinder nehmen großen Anteil am Geschehen und kommentieren es immer wieder lautstark. Die Erwachsenen sind hingerissen und spenden am Ende lang anhaltenden Applaus.