Für Müllers Marionettentheater endet ein „gigantisches“ Jubiläumsjahr mit viel Arbeit.

Marionettentheater : „Wir spielen, weil wir spielen müssen“

Für Müllers Marionettentheater endet ein „gigantisches“ Jubiläumsjahr mit viel Arbeit.

Silvester, das sei für sie „gegen die Gewohnheiten der Gesellschaft anleben“, sagt Günther Weißenborn, der gewohnt ist, seit 40 Jahren zu arbeiten, wenn andere feiern. Kennt es gar nicht anders, weil er aus einer Künstler- und seine Frau aus einer Gastronomenfamile stammt. Für Müllers Marionettentheater am Neuenteich endet dieser Tage „ein gigantisches Jahr 2018“. Wegen diverser Jubiläen, erlebter Spendenfreudigkeit und Anerkennung.

Es ist Hauptsaison, die Aufführungstermine sind eng getaktet, nur am 24. und 25. Dezember war geschlossen. Selbst am 31. Dezember wird noch um 19 Uhr „Peterchens Mondfahrt“ gezeigt. Die Uhrzeit ist ein Test, das ausgewählte Stück nicht. „Sonst haben wir schon am Nachmittag für Kinder und Familien gespielt. An Silvester gehen viele ins Theater“, weiß Weißenborn und schwärmt für das Märchen mit „seiner angemessenen Dramaturgie und wunderbaren optischen Welt“, das bewusst die süße Geschichte von der Hummel Brummel im Spielplan ablöse, sozusagen „als Gegenpart für den Winter“, meint Ursula Weißenborn.

Überhaupt Brummel, das Musical, erfuhr neben „Die Schneekönigin“, „Die Zauberflöte“, „Der kleine Prinz“, und „Le Sacre du Printemps“ den größten Zuspruch. Highlights des Jahres 2018, das gleich drei Jubiläen - 35-, 30- und 25-Jähriges - beging. Weil die Weißenborns 1983 in Bremen ein Kleinkunsttheater gründeten. Weil sie nach der Berufung des Dramaturgen Weißenborn an die Wuppertaler Oper 1987 Müllers Marionetten-Theater eröffneten, das wiederum seit 1992 seine Spielstätte am Neuenteich hat. „Wir spielen, weil wir spielen müssen“, ist Weißenborns Devise. Und dazu zählte 2018 auch „Lysistrata“. Weißenborn schuf eine eigene Version der griechischen Komödie - kein Kassenschlager, aber ein Format, das dem Theatermacher wichtig ist, das er weiter entwickeln will.

Schau in der Stadtsparkasse
war ein Höhepunkt des Jahres

2018 wurde zudem das große Theater-Archiv wissenschaftlich und optisch ansprechend aufbereitet - eine wunderbare (Lebens-)Rückschau auf 142 Seiten, mit traumhaften Fotos, ein Beleg, „was wir alles geschafft haben.“ 500 Stück des Werks wurden aufgelegt, bei der großen Ausstellung in der Stadtsparkasse am Islandufer gegen eine kleine Summe verkauft. Jene Schau war ein weiterer Höhepunkt - noch heute freuen sich die Weißenborns über das tolle Event und das große, von Herzen kommende Engagement der Stadtsparkasse.

„Das Tollste“ in diesem Jahr ist nicht mit Zahlen zu bemessen. Und hängt mit einem Unglück zusammen, das das Theater heimsuchte wie viele andere Bewohner im Tal. Am 29. Mai drang der Starkregen in den Keller ein, wo Bühnenbilder lagerten. Weißenborns erfuhren am selben Tag und an den folgenden große Hilfsbereitschaft durch aktive Hilfe ebenso wie durch Spenden, die Reparatur- und Abdichtungsarbeiten finanzierten. Ein Beleg, wie gut man in der Stadt verwurzelt, sozial und künstlerisch gut aufgehoben sei. Bleiben noch die Kulissen, die Ursula Weißenborn Stück für Stück instandsetzen muss.

Außerdem geht sie ihren Weg als Malerin weiter - 2018 mit einer Ausstellung in der Musikhochschule und einer Schau beim internationalen Marionettissimo-Festival in Bad Kreuznach. „Wir durften das Festival im Dezember eröffnen mit Szenen aus ‚My Fair Lady’“, sagt ihr Mann strahlend. Außerdem zeigte das Marionettentheater Figuren aus „Le Sacre du Printemps“. Im Herbst 2019 wird Ursula Weißenborn als „artist in residence“ vier Monate ein Atelier im schweizerischen Wallis bewohnen. Ein Stipendium, das das Ehepaar freut und stolz macht. Das Programm für 2019 steht - Stücke aus dem Repertoire stehen drauf, kein konkretes neues, aber „es wird sicherlich eines geben“.

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