Wuppertaler Sinfonieorchester: Fünftes Kammerkonzert: Oboe statt Geige

Wuppertaler Sinfonieorchester : Fünftes Kammerkonzert: Oboe statt Geige

Im Mendelssohn Saal der Historischen Stadthalle wurden am Montagabend Werke von Bach, Britten, Mozart, Beethoven und Arnold gespielt.

Eigentlich sollte das Johannisberg Quartett das fünfte städtische Kammerkonzert gestalten. Doch krankheitsbedingt fiel die erste Geigerin aus. So wurde aus der Not eine Tugend gemacht: Andreas Heimann, Solo-Oboist des Sinfonieorchesters Wuppertal, sprang ein. Also gab es statt Streichquartette Oboenquartette. Und wie es der Zufall so will: Stand beim letzten städtischen Kammerkonzert mit der Klarinette ein Holzblasinstrument als Vertreter eines einfachen Rohrblattmundstücks im Vordergrund, war nun eines mit einem Doppelrohrblatt dran: die Oboe.

Wie die Harfe liegen ihre Ursprünge in der Antike. In Orchester- und Kammermusik ist sie heute nicht mehr wegzudenken. Doch damit nicht genug: In Militärkapellen und im Sektor der U-Musik (Rock und Pop) inklusive Jazz ist das Instrument ebenfalls populär. Wer kennt etwa nicht die vier legendären Vinylscheiben der britischen Rockband Genesis aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts? Wer mit „Nursery Cryme“ (1971), „Foxtrot“ (1972), „Selling England By The Pound“ (1973) und „The Lamb Lies Down On Broadway“ (1974) aufgewachsen ist, weiß Bescheid und kommt aus dem Schwärmen nicht heraus.

Vom Anfang der Wiener Klassik bis ins letzte Jahrhundert

Im ausgezeichnet besuchten Mendelssohn Saal der Stadthalle wurden natürlich klassische Oboenquartette geboten vom Anfang der Wiener Klassik bis ins letzte Jahrhundert: Johann Christian Bachs Quartett in B-Dur (op. 8 Nr. 6), das berühmtes Quartett in F-Dur (KV 370) von Wolfgang Amadeus Mozart, Benjamin Brittens „Phantasy Quartet“ op. 2 und das Quartett op. 61 aus der Feder von Malcolm Arnold. Außerdem wurde Ludwig van Beethovens Streichtrio in c-Moll (op. 9 Nr. 3) vorgestellt.

Ein homogenes und differenziertes Zusammenspiel

Neben Heimann waren es Martin Roth (Geige), Jens Brockmann (Bratsche) und Christine Altmann (Cello) von den städtischen Sinfonikern, die hochengagiert aufspielten. Beim Beethoven-Stück fehlte zwar der letzte Feinschliff hinsichtlich sauberer Töne und akkuratem Zusammenspiel. Auch hätten Haupt- und Nebenstimmen besser herausgearbeitet werden können. Doch konnten die drei Streicher bei den anderen Programmpunkten mit einem viel homogeneren und differenzierteren Zusammenspiel überzeugen. Heimann machte seinem guten Ruf als Solo-Oboist alle Ehre, ließ sein Instrument entsprechend den unterschiedlichen musikalischen Stilistiken dank einer beweglichen und klaren Tongebung brillant erstrahlen.

Lang anhaltender Applaus war der Dank für einen nicht alltäglichen Oboenabend.

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