Frogcodile stellen Album im „Loch“ vor

Konzert : Frogcodile stellen Album im „Loch“ vor

Das Quartett zog das Publikum mit ungewöhnlichen Klängen in seinen Bann.

Was für eine Album-Release-Party! In wenigen Minuten füllte die Wuppertaler Band Frogcodile das „Loch“. Die Stimmung im Saal war gigantisch, und nach dem allerletzten Ton strömten Konzertbesucher Richtung Verkaufsstand, um „Shuffled Pieces Puzzled Brains“ zu erwerben. Das Album vereint drei Frogcodile-EPs, die im Laufe dieses Jahres veröffentlicht worden sind. EP Nr. 1 hat die Band bereits live in der ausverkauften Utopiastadt vorgestellt.

Auch im „Loch“ konnte man sich der Power des Quartetts nicht entziehen, das mit seinem „Art Pop“ die Lücke zwischen Indie- und Progressive Rock schließt. Abgesehen vom gut gelaunten Dankeschön an die Fans packte Sänger Dennis Kresin seine Zuhörer mit gehauchten Strophen und überschlagend euphorischen Refrains. Seine wuchtige Gitarre bot genug Anreize, den Rhythmus mitzuklopfen oder direkt mit dem Headbangen loszulegen.

An der zweiten Gitarre unterlegte Dennis Bruder Markus die Melodien mit knackigen Grooves und hypnotisch-psychedelischen Halleffekten. Unwiderstehlich dicht war die Schlagzeugbegleitung von Lennart Richter. Phonstark pulsierte der Bass von Niklas Beiten, der seit Mai bei Frogcodile mitspielt.

Die mit Abstand ungewöhnlichsten Klänge kamen von den analogen Synthesizern, die auch die elf Stücke von „Shuffled Pieces Puzzled Brains“ prägen. Dennis haute in die Tasten des Prophet-Keyboards und drehte gleichzeitig an den Knöpfen, um die Sounds weiter durch die elektronische Mangel zu drehen. Da waberte, surrte und dröhnte es. Auf dem Moog-Synthesizer erzeugte er selten fette Bassläufe. Bevor der Bandleader dann wieder zur Gitarre griff, nahm er sich auch gern mal Zeit für eine ausgelassene Tanzeinlage.

So vielfältig wie die Soundpalette des Albums sind auch die Texte, die gern frei assoziieren. „Craving“ (Heftiges Verlangen) beginnt als Ballade eines Verlassenen und geht doch über das ewige Pop-Thema hinaus. Denn am Ende spricht das Lied vom Verlust der eigenen Jugend. „Tin Man“ spielt auf den Zinnmann des Films „Zauberer von Oz“ an. Das künstliche Lebewesen, das von keinem menschlichen Gefühl belastet ist, entfaltet im Text große Faszination.

Bei „Wrong Side“ sollte man sich nicht von der zugkräftigen Melodie täuschen lassen. Von Zeile zu Zeile wächst ein Gefühl von Orientierungslosigkeit: „How did I get here? What have I become?“. Nach reinem Wortspiel klingt „Memories Of Tomorrow“ (Erinnerungen an Morgen) und ist doch eine eindringliche Warnung davor, dass sich historische Erfahrung wiederholen kann – die Geschichte von Unfreiheit und Diktatur.

Nach den elf aktuellen Songs war noch nicht Schluss. Das Publikum im „Loch“ verlangte nach mehr. Also hängten Dennis Kresin & Co. als Zugabe „Refractions“ dran – das hymnische Titelstück des Vorgängeralbums von 2017. Mit der Coverversion „Hyperballad“ verbeugte sich Frogcodile vor Björk, einer Meisterin kluger Popmusik. Das passende Ende für ein starkes Konzert.