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Freunde des Gesangs reisen durch die Musikgeschichte

Freunde des Gesangs reisen durch die Musikgeschichte

Konzert: Der Kammerchor Amici del canto deckt die Zeit ab zwischen Frühbarock und 20. Jahrhundert.

Wuppertal. Der erst im vergangenen Herbst gegründete Kammerchor Amici del canto (Freunde des Gesangs) gestaltete in der Reformierten Kirche Cronenberg bereits seinen zweiten Auftritt. Unter der Leitung von Martin Lehmann präsentierten die Sänger ein anspruchsvolles Programm mit Kompositionen vom Frühbarock bis ins 20. Jahrhundert. Horst Lehmann, Schwiegervater des Chorleiters, ergänzte das Konzert um zwei Orgelwerke.

Den Auftakt bildet das Stück "Peace I leave with you" des 1915 geborenen norwegischen Komponisten Knut Nystedt. Die getragene, stimmungsvolle Motette erklingt ganz klar und mit Wärme musiziert. Schon hierbei erweisen die 28 Gesangsfreunde, wie gut sie aufeinander abgestimmt sind. Mit dem folgenden "Die mit Tränen säen" von Johann Hermann Schein geht es in den Frühbarock. Von dem 1623 komponierten Werk führt das Programm über die Romantik wieder zur Moderne und bietet so einen spannungsvollen Bogen.

Der Beginn von "Die mit Tränen säen" gerät ein wenig zaghaft. Dass geringfügige Unsicherheiten zu hören sind, liegt an der anspruchsvollen Ausgangssituation. Wenn in einem vergleichsweise überschaubaren Kreis so gehaltvolle Werke a cappella gesungen werden, dann sind eben auch kleinste Unstimmigkeiten heraus zu hören. Sicher von Anfang an und mit feinen dynamischen Abstufungen erklingt "Unser keiner lebet ihm selber" von Heinrich Schütz.

Auch Johann Sebastian Bach ist in dem Programm vertreten. Seinen Orgelchoral "O Mensch, bewein dein Sünde groß" spielt Horst Lehmann präzise in gemessenen Tempo, das mitunter allerdings ein wenig schwerfällig wirkt. Anders der zweite Beitrag: Die 1968 entstandenen "Meditationen für Orgel" von Lothar Graap entfaltet Lehmann impulsiv und facettenreich.

Der Kammerchor schreitet mit Johannes Brahms in der Musikgeschichte fort. Vorzüglich gestalten die Amici die Motette "Warum ist das Licht gegeben" mit schöner romantischer Färbung, zarten Pianostellen und aufblühenden Sequenzen. Den Abschluss des Konzertes bildet die "Messe für zwei vierstimmige Chöre" von Frank Martin. Dieses beliebte innige religiöse Werk schrieb der aus der Schweiz stammende Komponist in der Zeit von 1922 bis 1927.

Souverän gehen die nun in zwei Chöre aufgeteilten Gesangsfreunde unter Lehmanns präziser Leitung mit den Harmonien, eingearbeiteten Klängen der alten Kirchentonarten und wirkungsvollen modernen Dissonanzen um. Die Messe erstrahlt im frischen Klang - mit zügigen Tempi und pointierten Zugriff auf einzelne Sequenzen. Das Publikum ist begeistert von dem hochwertigen Konzert. Auf das nächste Programm darf man gespannt sein.