Freiwilligen-Tarif: „Dann kommt auch mal anderes Publikum“

Freiwilligen-Tarif: „Dann kommt auch mal anderes Publikum“

Die Meinungen zum neuen Freiwilligen-Tarif der Wuppertaler Bühnen gehen stark auseinander.

Wuppertal. „Zahlen Sie doch, was Sie wollen“, heißt es am 15. April im „Theater am Engelsgarten“ („Supergute Tage“) und am 7. Juni im Opernhaus (Mozarts „Don Giovanni“), wenn es den Besuchern bei freiem Eintritt selbst überlassen ist, was sie nach der Vorstellung in den „Klingelbeutel“ werfen. „Was halten Sie von dieser Idee“ haben am Freitag unsere Mitarbeiter am WZ-Mobil Passanten vor dem Opernhaus gefragt.

„Eine prima Initiative“, war Ingrid Pfeiffer begeistert. Als FDP-Ratsfrau vertritt sie die Idee ihrer Partei mit Leidenschaft: „Mit dieser tollen Marketing-Maßnahme rückt auch das neue Theater am Engelsgarten in den Blickpunkt. Außerdem werden für manchen sicher Schwellenängste abgebaut.“ Ähnlich sieht es Antonia Zimmer: „Da würde ich mitmachen und zumindest das zahlen, was auch eine Kinokarte kostet.“

Antonia Zimmer, Passantin

„Mit solchen Ideen kann man auf jeden Fall die Attraktivität der beiden Häuser steigern“, sagt Hardy Burdach, und Michael Malischewksi ist sicher: „Da kommen auch mal ganz andere Publikumsschichten ins Theater.“ Michel Buttkus von der „Brasserie“ im Opernhaus ist natürlich auch angetan: „Grundsätzlich eine gute Idee. Ich denke, dass da einige den Abend bei einem Glas Wein oder einem guten Essen ausklingen lassen.“

Völlig anderer Meinung ist Jutta Meier: „Viel bezahlen, wenn es gefällt, und wenig oder gar nichts, wenn es einem nicht gepasst hat. Nein, davon halte ich nichts.“ Ein anonymer Herr, der übrigens ein Instrument dabei hatte, ist ebenfalls dagegen: „Wenn ich ins Schwimmbad gehe, muss ich bezahlen, ebenso wie im Kino. Und zwar einen festen Preis und nicht nach eigenem Gutdünken.“

Stephan Hotto lehnt das Ganze auch ab: „Ich glaube nicht, dass auf diese Weise mehr und andere Leute ins Theater oder Opernhaus gehen.“ Tinka Fürst ist da experimentierfreudiger: „Das sollte man auf jeden Fall versuchen. Da kommen dann auch Menschen, denen ein Theaterbesuch sonst zu teuer ist.“ Auch Daniel Frantisek Kamen stimmt zu: „Das klingt spannend und ist zu begrüßen.“ „Probieren geht über studieren“, findet Uli Keip: „Über den Obolus können die Leute ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Dass dann plötzlich nur Schmarotzer kommen werden, glaube ich nicht.“ Maria Gansen glaubt ebenfalls an die Idee. „Eine gute Sache. Das kann der Kultur neues Publikum zuführen.“

Dann kam noch Enno Schaarwächter, Geschäftsführer der Bühnen, vorbei und sagte schmunzelnd: „Wer dabei sein will, sollte sich beeilen. Für beide Termine liegen schon mehrere hundert Bestellungen vor.“

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