Franz Marc Museum: Wuppertal setzt in Bayern Akzente

Franz Marc Museum: Wuppertal setzt in Bayern Akzente

Wuppertaler legten die Grundlage für das Franz Marc Museum. Direktorin Cathrin Klingsöhr-Leroy weiß dies zu schätzen.

Frau Klingsöhr-Leroy, Wuppertal und Kochel am See verbindet mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Sowohl das Bergische Land als auch die bayerische Voralpenregion sind blühende Kultur-Landschaften. Was wäre das Franz Marc Museum, das Sie leiten, ohne seine Verbindung zu Wuppertal?

Cathrin Klingsöhr-Leroy: Die Verbindung nach Wuppertal geht bis auf die Wuppertaler Pianoforte-Fabrik Ibach zurück. Rudolf Ibach, der Besitzer dieses Unternehmens, einer zu Beginn des Jahrhunderts blühenden Firma, war ein begeisterter Kunstsammler, der Paul Klee schon sehr früh und ganz besonders schätzte. Aus seiner Sammlung kommt ein Großteil der Werke Paul Klees, die im Augenblick im Franz Marc Museum in einer Ausstellung gezeigt werden und die zum Teil als Dauerleihgaben in Kochel bleiben werden. Die beiden Töchter Ibachs, Etta und Charlotte, haben sich um das Franz Marc Museum in ganz besonderer Weise verdient gemacht. Etta, die den Münchner Galeristen Otto Stangl heiratete, initiierte zusammen mit ihrem Mann, der Nachlassverwalter Maria Marcs war, und vielen weiteren Unterstützern 1986 das Franz Marc Museum in Kochel, während ihre Schwester, Charlotte Mittelsten Scheid, dem Museum zu einem wunderbaren Neubau verhalf, der heute auch viele Werke umfasst, die ursprünglich zur Sammlung Rudolf Ibachs gehörten und die über seine Enkelkinder in das neue Museum kamen.

Der Neubau wurde 2008 eröffnet. Hätte es ihn auch ohne Wuppertaler Unterstützung gegeben?

Klingsöhr-Leroy: Er gelang nur durch eine großzügige Spende der aus Wuppertal stammenden Stifterin. Das geistige Umfeld dieses Neubaus, das heißt die prägende Idee, Franz Marc und seinen Zeitgenossen vom „Blauen Reiter“ ein Museum zu widmen, das ihre Kunst und die Kunst der „Brücke“ sowie der Nachkriegs-Abstrakten in engem Bezug zu einer Naturkulisse zeigt, die für die Malerei Franz Marcs so wichtig war, ist jedoch an Kochel und das bayerische Land gebunden.

Wie nutzen Sie den Anbau?

Klingsöhr-Leroy: Er umfasst sämtliche Ausstellungsräume und Depots, während in der Jahrhundertwende-Villa, in der das frühere Museum untergebracht war, nun ein Restaurant mit Sonnenterrasse und die Verwaltungsräume angesiedelt sind.

Wie viele der ausgestellten Bilder stammen aus Wuppertal?

Klingsöhr-Leroy: Dies lässt sich zahlenmäßig kaum beziffern, da die Hängung und die Ausstellungen im Franz Marc Museum im Vierteljahres-Rhythmus wechseln.

Was schätzen Sie an Paul Klee?

Klingsöhr-Leroy: Er ist ein Künstler, der Innovation und Experimentierfreudigkeit mit großer Poesie verbindet und dem es gelungen ist, im Verlauf seines Werks immer in sehr eigenständiger und neuer Weise auf andere Kunstströmungen wie Kubismus, Futurismus oder Surrealismus zu reagieren. Sogar in den letzten zehn Jahren seines Lebens, die von Exil und einer schweren Krankheit geprägt waren, konnte er nochmals einen ganz neuen, wichtigen künstlerischen Ansatz finden.

„Der Vollmond“ ist ein Parade-Beispiel für die Kunst Paul Klees. Was macht ihn so charakteristisch?

Klingsöhr-Leroy: „Der Vollmond“ gehört nicht nur zu den frühen Ölbildern Paul Klees, er macht auch anschaulich, was der Titel der Ausstellung im Franz Marc Museum („Konstruktion des Geheimnisses“) umfasst: Für jeden Betrachter erschließt sich die Konstruktion des Gemäldes, der Bildaufbau in der Anschauung, ohne das Bild ganz zu erschließen. Es bleiben rätselhafte Momente, Symbole und Zeichen wie der Vollmond selbst oder das Fensterkreuz am linken Bildrand, die die Bedeutung des Bildes letztlich offen lassen oder zum Nachdenken darüber auffordern.

Welches Werk ist Ihr Lieblingsbild aus der Wuppertaler Sammlung?

Klingsöhr-Leroy: Ganz besonders liebe ich das Aquarell „Ansicht von Kairuan“, das auf Klees Tunisreise 1914 — vor dem Ersten Weltkrieg — entstand und große Zartheit mit einer sehr überlegten Konstruktion von Architektur und Landschaft verbindet.

In der aktuellen Sonder-Schau findet sich auch ein Brief, den Paul Klee an Rudolf Ibach geschrieben hat. Was dokumentiert er?

Klingsöhr-Leroy: In dem Brief geht es darum, dass Klee seinem Sammler einen Tausch vorschlug: Kunstwerke gegen ein Instrument, denn die Frau Paul Klees, Lily Klee, war Pianistin und wünschte sich ein Instrument aus dem Hause Ibach.

Kommen wir zu Franz Marc, dem Namensgeber Ihres Museums. Auch er weist eine interessante Verbindung nach Wuppertal auf: Welche Beziehung hatte er zur Elberfelder Dichterin Else Lasker-Schüler?

Klingsöhr-Leroy: Dieser Frage werden wir im kommenden Jahr eine Ausstellung widmen, denn Franz Marc, der Else Lasker-Schüler 1912 in Berlin kennenlernte, tauschte mit ihr viele Postkarten, die sowohl von dem Maler als auch von der Dichterin jeweils in zauberhafter Weise illustriert wurden.

Auch wenn die beiden Städte also eng miteinander verbunden sind: Wuppertal und Kochel am See trennen viele Kilometer. Sind unter den Besuchern trotzdem auch Gäste aus Wuppertal?

Klingsöhr-Leroy: Vor allem in der Ferienzeit haben wir immer wieder Besucher aus Wuppertal in Kochel, aus dem Bergischen Land, aus Nordrhein Westfalen und Norddeutschland, was uns sehr freut.

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