Fotokünstler spielt mit digitaler Information

Fotokünstler spielt mit digitaler Information

Michael Reisch sucht neue Wege.

Wuppertal. Kälte ergreift den Betrachter, obwohl er nur auf eine Fotografie schaut. Darauf zu sehen ist ein gefrorener Wasserfall — Eiszapfen drängen sich dicht aneinander. Gläsern und starr hängen sie eine Wand hinab. Licht und Schatten spiegeln sich darin. Das große Format der Bilder und die Detailreiche lassen einen frösteln. Und doch: „Diesen Ort gibt es so nicht“, sagt Michael Reisch, der diese und weitere Arbeiten im Kunstraum Hengesbach ausstellt.

Als Fotokünstler arbeitet er vor allem auch am Computer. Das Bild des gefrorenen Wasserfalls ist aus vielen verschiedenen Fotografien zusammengesetzt. „Die sind alle im Alpenraum entstanden“, erklärt Reisch. Für den Düsseldorfer Künstler war es wichtig, den Eindruck entstehen zu lassen, als würde das Eis in den Rahmen hinein frieren.

Trotz der Nachbearbeitung am Computer hat Reisch in diesem Fall dennoch etwas Reales umgewandelt in die digitale Information eines Fotos. Umgekehrt vorgegangen ist er bei seiner Serie von silber-grauen Flächen, die Falten und Kanten aufzeigen. „Die Arbeiten gehen andersherum vor. Aus einer digitalen Information entwickelt sich ein Realitätsfragment“, so Reisch.

Beim ersten Betrachten scheint man eine Art Stoff zu sehen, der Falten wirft. Die scharfen Kanten und geschwungenen Linien sind aber zu perfekt, als dass sie natürlich sein könnten. Und so fällt beim zweiten Blick auf, dass man ein computergeneriertes Bild vor sich hat. Das Motiv der Falten an sich hat dabei für Reisch keine Bedeutung: „Es geht nur um die Erzeugung von etwas Gegenständlichem.“ Und das aus purer digitaler Information. Ob das in die Kategorie Fotografie gehört, weiß auch Reisch nicht so genau. Eher will er genau diese Frage beim Betrachter aufwerfen. Am ehesten würde Reisch die Arbeiten als „post-fotografisch“ bezeichnen — Fotografie auf der nächsten Stufe. „Wenn ich mich im digitalen Raum bewege, muss ich nicht eindeutig sein.“

“ Zu sehen ist die Ausstellung mit dem Titel „Works (2010-2013)“ bis zum 12. Juli im Kunstraum Hengesbach, Vogelsangstraße 20 (mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr).

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