Fotografie mal anders: Junge Künstler auf neuen Wegen

Fotografie mal anders: Junge Künstler auf neuen Wegen

Beeindruckend: Sieben Fotografen wagen Experimente.

Wuppertal. In jüngerer Zeit wird immer wieder die Klage laut, die Kunstform der Fotografie bringe nichts Neues mehr hervor. Das genaue Gegenteil beweist derzeit die Ausstellung „Sieben Fotografen“ in der Galerie Epikur. Innovativ und experimentell gehen die jungen Künstler ihre Ideen an.

Allen voran Philip Kistner, der nichts anderes tat, als auf einem Scanner zu frühstücken. Eingestellt auf ungefähr 15 Minuten pro Scannerfahrt verschob er dabei sein Brot, das Messer und alle weiteren Utensilien. So sind längstgestreifte Bilder entstanden, die Ausschnitte seines Frühstücks dokumentieren.

Nicht minder innovativ zeigen sich die Werke von Johannes Pfahler. Seine Kunst dreht sich vordergründig um Würfel — doch dahinter stecken weitreichende Gedanken. „Ich möchte die Unsterblichkeit der digitalen Bilder zeigen“, sagt Pfahler. Dafür wählt er den paradoxen Weg, in einer Videoanimation den Verfall des Bildes eines Würfels zu simulieren: „Jedes Pixel wird zum Sandkorn. Und so fängt das Bild an zu zerbröseln.“ Ein weiteres Werk zeigt den besagten Würfel aufgebaut aus vielen Detailaufnahmen und somit aus unzähligen Bildern zusammengesetzt. Der Sinn: „So hat der Fotograf wieder die Freiheit, das Bild selbst zu konstruieren.“ Darüber hinaus versucht Pfahler gekonnt in mehreren spannenden Arbeiten, dem Foto wieder Raum zu geben.

Julia Unkel hingegen hat sich für ihre Serie „Im Angesicht“ in einen Schlachthof begeben. Sie will das typische Bild überwinden und zeigt Maschinen und Räume ohne Dreck und Blut. „Ich wollte mit den Bildern nicht werten und zeige sie deshalb übertrieben steril.“ Und doch steht ein Werk im Mittelpunkt, mit dem sie für Irritation sorgen will. In einer komplett weißen Umgebung sieht der Betrachter den frisch abgetrennten Kopf einer Kuh — das Fell ist nass, auf dem Mund fließt etwas Speichel und Bluttropfen umranden den Hals. „Ich wollte, dass er so lebendig wie möglich erscheint“, erklärt Unkel.

Ebenso vertreten sind Katharina Boedeker und Eva Paechnatz, die Menschen in abstrakten Aufmachungen und Posen mysteriös darstellen, Henrik Schipper, der in einer Dokumentation über den Flughafen Weeze die dortigen Umbaumaßnahmen kritisch hinterfragt, und Marc Wollmann, der Architektur und Wasser verbindet.

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