„Forsonics“ stellten zweite CD im Friday Night Jazz Club in der Bandfabrik vor.

Bandfabrik : Mit Timeline musikalisch durch den Tag

„Forsonics“ stellten zweite CD im Friday Night Jazz Club in der Bandfabrik vor.

Am Ende kehrt die Reise wieder an ihren Anfang zurück. Mit dem „Wupper-Fado“ spielen die vier Musiker eine Hommage an die Stadt im Tal des gleichnamigen Flusses, die zugleich an portugiesischen Blues erinnert. Gute zwei Stunden dauerte die Reise, zu der die Band „Forsonics“ ihre neue CD „Timeline“ am Freitag in die Bandfabrik mitgebracht hatte. Einladung zu einer unbeschwerten Zeit, die allen und jedem einzelnen individuelle Bilder im Kopf und gute, unaufdringliche Musik in den Ohren schenkte.

Der „Friday Night Jazz Club“ in der Bandfabrik ist zwölf Jahre alt, eine Institution in der Szene mit festem Fanclub in der Stadt und darüber hinaus. Bei Antipasti und Getränken waren dieses Mal „Forsonics“ zu Gast. Vor drei Jahren ging die Gruppe, die sich selbst als „die Lyriker unter den deutschen Jazzern“ bezeichnet, aus „Jazz Lokal“ hervor. Da hatten schon die im Bergischen beheimateten Bert Fastenrath (Gitarre), Carsten Stüwe (Orgel, Keyboards) und Andy Gillmann (Schlagzeug) zusammen gespielt - auch den „Wupper Fado“ geschrieben. 2015 holte man sich Trompeter Chris Fischer hinzu, die erste gemeinsame CD hieß wie die Band, erntete 2016 viel Lob, die Band wurde über die Grenzen von Nordhrein-Westfalen bekannt.

„Timeline“ entstand aus einer Idee, die etwa ein Jahr zurückliegt. „Wir waren auf Tour in Heidelberg, es war ein sonniger Tag, wir saßen draußen, als die Kirchtumuhr plötzlich zwölf Schläge in die Ruhe donnerte“, erinnert sich Gillmann. Auslöser für ein Gespräch über Assoziationen, die ein jeder mit einer bestimmten Tages- oder Nachtzeit verbindet. Zehn komplexe, anspruchsvolle und sehr persönliche Stücke entstanden in der Folgezeit - alle tragen die ruhige, zeitlose, melodiöse und rhythmische Handschrift der Band. Mal sentimental, mal spritzig, mal getragen, mal explosiv-aufbrausend, mal pathetisch, mal groovig. Stets raffinierte Kompositionen, in denen sich Improvisationen um ein Leitmotiv schlängeln, das so in vielen Echos weitergetragen und -entwickelt wird.

Improvisationen schlängeln
sich um ein Leitmotiv

Um 5.10 Uhr startet „Sunrise over the Fjell“ - „Wer sehr früh wach wird, den belohnt in Norwegen der Sonnenaufgang“ heißt es im Booklet dazu, bevor um 7.30 Uhr „Ferry to Patmos“ („Für eine Weile stand die Zeit still, als wäre sie ins Wasser getaucht“) weitere Reiseeindrücke verarbeitet. Nicht zu vergessen der galoppierende Song „High Noon“ - Auslöser der CD-Idee und an Sergio Leones Spaghetti Western, an Chick Corea’s „Spain“ und an die Comicreise der Daltons nach Mexiko erinnernd. Jede der neun Eigenkompositionen (plus „Don’t know why“ von Norah Jones) ist mit Uhrzeit und einem beschreibenden Satz aufgelistet; zusammen ergeben sie einen Tagesablauf.

Weitere Erklärungen gibt es nicht, natürlich auch keine Liedtexte: „Forsonics“ sprechen mit ihren Instrumenten, die sie meisterhaft beherrschen, wie sie immer wieder auch in Soli glänzend beweisen. Besonders eindrucksvoll hierbei das variable Schlagzeugsolo von Gillmann, der ansonsten im Hintergrund bleiben muss. Während meist Fischer die Melodie virtuos und unter die Haut gehend herausfiltert - oder Stüwe, das Bindeglied der Band, seltener der in Wuppertal bestens bekannte Fastenrath („Vater“ des „Friday Night Jazz Club“). Und weil alle vier so gute Musiker sind, wünschte man sich manchmal, sie würden auf elektrische Unterstützung gänzlich verzichten. Vor allem die Klänge des Keyboards klingen mitunter etwas unkonturiert - da wäre ein „echter“ Kontrabass vielleicht die bessere Alternative.

Die Zuhörer waren begeistert, zollten immer wieder Zwischenapplaus - auch bei den Liedern von der ersten CD, La Luna de Gredos“, „Lost“ ,„Toledo“ und „Liberation“. Die Musiker durften erst nach Zugaben ins Wochenende gehen.

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