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Florian Frannek holt die Pariser Halbwelt nach Wuppertal

Florian Frannek holt die Pariser Halbwelt nach Wuppertal

„Die lustige Witwe“ erwartet die Gäste im Opernhaus. Der Erste Kapellmeister freut sich auf den Weibermarsch, schmissige Cancan-Schritte und flotte Rhythmen.

Herr Frannek, am 15. Oktober feiern Sie die nächste Premiere im Opernhaus. Was unterscheidet „Die lustige Witwe“ — musikalisch gesehen — von anderen Operetten?

Florian Frannek: Das Stück bildet den Übergang von der durch Johann Strauss geprägten klassischen Wiener Operette zu den deutlich reicher und aufwendiger instrumentierten „romantischen“ Operetten eines Franz Lehár. Der Walzer bleibt — als prägendes und gefühlstragendes Element — erhalten, hinzu kommen aber weitere populäre und modernere Tänze bis hin zu Galopp, Cancan und Cake-Walk.

Was genau zeichnet „Die lustige Witwe“ aus?

Frannek: Auffallend ist die reichliche Verwendung des Marsches — Lehárs Vater war Militärkapellmeister — , der aber nicht in seiner etwas steifen preußischen Variante, sondern im leichteren südlichen Gewande daherkommt. Eine ganz große Bedeutung für dieses Stück hat das durch die Handlung vorgegebene musikalische Lokalkolorit. So wird die Welt des kleinen Balkan-Staates durch einen Tanz namens „Kolo“ und das berühmte Vilja-Lied repräsentiert, während die Pariser Halbwelt durch das Chanson und den Cancan der Grisetten ihre musikalische Farbe erhält.

Worauf legen Sie in Wuppertal bei der musikalischen Umsetzung Wert?

Frannek: Man hört Operetten durch eine Überbetonung des „Gefühlhaften“ oft sehr fett und geradezu aufdringlich gespielt. Ich möchte in musikalischer Hinsicht versuchen, durch eine gewisse Schlankheit des Klanges den „echten“ Gefühlen zu ihrer Geltung zu verhelfen, als Kontrast aber auch die Kraft und Energie der flotten Rhythmen und schmissigen Nummern spüren zu lassen.

Welche Szene gefällt Ihnen persönlich am besten?

Frannek: Es fällt schwer, bei der Fülle von reizvollen, komischen und gefühlvollen Passagen nur eine davon herauszustellen. Das i-Tüpfelchen ist für mich aber wohl der Weibermarsch, der mit seiner hinreißenden Musik und in einer köstlichen Choreographie von unseren Herren prächtig gemeistert wird.

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