Florence Millet: Schlaflos am Piano

Florence Millet: Schlaflos am Piano

Die Musikerin führt ein Leben zwischen Wuppertal, Paris und den USA. Am Wochenende spielt sie in der Stadthalle.

Wuppertal. Florence Millet pendelt zwischen Wuppertal und Paris, und dazwischen verbringt sie noch viermal im Jahr zehn Tage in den USA, wo sie Meisterkurse gibt. Die Pianistin ist vielbeschäftigt. „Ich schlafe nicht viel — und ich mache es aus Leidenschaft“, sagt die 49-Jährige, die an der Wuppertaler Musikhochschule eine Professur hat.

Foto: privat

Der Kontakt zu anderen Menschen und das Miteinander beim Musizieren geben ihr die Kraft für ihre vielfältigen Aufgaben. Während des Semesters unterrichtet sie drei Tage pro Woche in Wuppertal und Köln und fliegt dann nach Frankreich zurück. „Ich habe die Pädagogik im Blut. Wenn ich die Leute begleiten und ihre Entwicklung beobachten kann — das finde ich schön.“

Außerdem spielt sie seit 30 Jahren mit dem Lions Gate Trio, mit dem sie auch Artist in Residence an der Hartt School of Music in Connecticut (USA) ist. „Wir sind wie eine musikalische Familie, wir sind uns sehr treu.“

Im April erscheint eine neue CD des Trios mit Werken aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Außerdem kommen bald zwei CDs heraus, die sie bei Tonleiter-Konzerten im Skulpturenpark Waldfrieden aufgenommen hat. Dort tritt sie regelmäßig in verschiedenen Besetzungen mit neuer Musik auf. „Es ist ein sehr großer Moment, wenn unter unseren Fingern Leben in ein neues Stück kommt“, sagt Florence Millet.

Auch bei älteren Stücken ist es ihr ein Anliegen, die Frische, das einst vielleicht Schockierende eines Werks herauszuarbeiten. Am Sonntag spielt sie mit dem Instrumental-Verein in der Stadthalle Beethovens viertes Klavierkonzert G-Dur. „Es ist eines meiner Lieblingsstücke — Beethoven ist so großzügig.“ Florence Millet findet es schön, mit Laienorchester aufzutreten: „Die Laien haben diesen Enthusiasmus.“

Rund 25 Konzerte gibt die deutsch-französische Pianistin im Jahr. Dazu hat sie in Paris eine Familie mit zwei Söhnen (12 und 15), geht segeln und Snowboard fahren. „Wenn ich verreise, bin ich ich. Es fördert die Konzentration“, sagt sie unbekümmert. Nur eine gute Planung sei dafür notwendig — die macht sie selbst, ohne Agentur. In den Ferien nimmt sie ihre Söhne mit auf Reisen. „Sie lieben Wuppertal — allein schon, weil sie hier nicht in die Schule müssen.“ Doch im Sommer will sich die Pianistin nach zwei Jahren wieder eine Pause gönnen. Und neues Repertoire erarbeiten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung