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Sinfonieorchester Wuppertal: Filmhits: Hook und Harry Potter auf dem Johannisberg

Sinfonieorchester Wuppertal : Filmhits: Hook und Harry Potter auf dem Johannisberg

Das Sinfonieorchester spielte am Sonntagabend große Filmhits — und riss das begeisterte Publikum von seinen Stühlen.

Wuppertal. Auf den ersten Blick haben die Filmwirtschaft und der Wuppertaler Johannisberg nicht viel miteinander zu tun. Ok, einverstanden, in der Stadthalle schwirren hin und wieder Filmcrews durch die Gegend. Aber wenn es heißt „Hollywood auf dem Johannisberg“, ist diese Überschrift dann doch ein wenig weit zu hoch gegriffen. Oder?

Sinfonieorchester Wuppertal: Filmhits: Hook und Harry Potter auf dem Johannisberg
Foto: Fries/dpa/Disney

Nicht ganz. Denn das Sinfonieorchester Wuppertal und Gastdirigent Nic Raine holten populäre, kultige Musik der Filmindustrie dorthin, um im so gut wie ausverkauften Großen Saal der Stadthalle jung und alt akustisch in andere Welten zu entführen. Das gelang ihm bravourös.

Sinfonieorchester Wuppertal: Filmhits: Hook und Harry Potter auf dem Johannisberg
Foto: Fries/dpa/Disney

Wie heißt noch einmal der Junge, der bis zu seinem elften Lebensjahr unter der Obhut von Tante Petunia und ihrem Ehemann Vernon Dursley in einem Loch unter der Treppe ihres spießigen Reihenhäuschens sein Dasein fristet?. Klar, Harry Potter, der dann endlich in London an Bahnsteig 9 ¾ seine Reise zum Zaubererinternat Hogwarts antritt, um dort seine Ausbildung zu beginnen.

Sinfonieorchester Wuppertal: Filmhits: Hook und Harry Potter auf dem Johannisberg
Foto: Fries/dpa/Disney

Wer ist noch einmal der Drauf-gänger, der ohne Hut und Peitsche nicht auskommt, die Bundeslade findet, Papa aus den Händen der Nazis befreit, mit ihm auf die Spur des Heiligen Grals kommt und mit Sohnemann das Rätsel um die Kristallschädel löst? Indiana Jones lässt grüßen. Man begleitete Captain James T. Kirk, den ersten Offizier Spock, Chefarzt Pille und Co. auf ihren Reisen durch das Weltraum.

Sinfonieorchester Wuppertal: Filmhits: Hook und Harry Potter auf dem Johannisberg
Foto: Fries/dpa/Disney

Superman, der erste Held, der seine Unterhose über den Leggings trägt, kam mal eben vorbei. Da konnte auch Supertyp Captain America nicht nein sagen. Der Fluch der Karibik lockte. Also ging man unter dem Kommando von Captain Jack Sparrow auf hohe See. Den Dinos wurde im Jurassic Park ein Besuch abgestattet.

Der 20 Jahre alte Fantasystreifen „Dragonheart“ wurde wieder zum Leben erweckt wie auch der fünf Jahre ältere „Hook“ desselben Genres. Fans von Animationsfilmen kamen bei der Musik zu „Wallace & Gromit“ voll auf ihre Kosten. Die alte Walt-Disney-Produktion „Mary Poppins“ aus dem Jahr 1964 erstrahlte musikalisch wieder neu. Auch die Vertonung des vor zehn Jahren entstandene Computeranimationsfilms „Ratatouille“ kam von der Bühne.

Zehn Stunden Musik stecken laut Raine in der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“. Über vier Jahre habe der Komponist Howard Shore daran gesessen. Nach wenigen Minuten war in der Stadthalle der Fall erledigt, das Publikum dennoch hellauf begeistert.

Ein Kinohit nach dem anderen wurde also zum Besten gegeben. Diese Kurzweil kam so gekonnt von der Bühne, als läge die Hauptaufgabe der städtischen Sinfoniker im Spielen von Filmmusikern. Doch in Deutschland gibt es nur noch eins: das Filmorchester Babelsberg bei Potsdam.

Gerade die Blechbläser und die Schlagzeugabteilung mussten sich ordentlich ins Zeug legen, da ihnen nicht selten die Hauptaufgabe oblag. Und die ließen sich nicht zweimal bitten. Es rumste so richtig kultiviert im weiten Rund der guten Stube Wuppertals. Ein lupenreines Blasorchester war zu erleben, das von den Rhythmuskollegen hinter ihm fetzig unterstützt wurde.

Auch die anderen Orchestergruppen schienen jenseits ihrer anderen üblichen Dienste Spaß an dem Programm zu haben und sorgten ebenfalls für sehr ausgewogene Klangbilder. Locker, dennoch konzentriert ging es unter Raines kundigem Dirigat zur Sache.

Leger waren die Anmoderationen des ausgewiesenen Fachmanns auf dem Sektor der Filmmusik. Er gönnte sich sogar kleine, freundliche Sticheleien gegenüber Konzertmeister Nikolai Mintchev und überbrückte einmal angenehm plaudernd eine kurze Pause, bis Daniel Häker seine Pauken um-gestimmt hatte.

Und das Publikum? Das war zu guter Letzt nach zwei Zugaben ganz aus dem Häuschen. Jubelrufe und stehende Ovationen sprachen für sich.