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Filigrane Figuren mit Kettensäge erarbeitet

Filigrane Figuren mit Kettensäge erarbeitet

Annette und Nando Kallweit zeigen Schmuckkreationen und Skulpturen aus Eichenholz.

Wuppertal. Voller Menschen ist die Galerie der Bergischen Kunstgenossenschaft (BKG) zurzeit — doch neben den Besuchern sind es vor allem die Skulpturen „grotesker Leute“ des Schweriner Künstlers Nando Kallweit, der zusammen mit seiner Ehefrau Annette Kallweit in Wuppertal ausstellt.

Inspiriert wurde Kallweit in Italien: „Wir setzen uns dort gerne in Cafés und beobachten die Leute.“ Diese realen Menschen übersetzt Kallweit dann in Eichenholz. Dabei entstehen stets sehr lange und schmale Figuren, die stolz und anmutig auf ihren Podesten stehen. Bemerkenswert gerade wegen der Bearbeitungsmethode: „Ich benutze eine Kettensäge“, so Kallweit. Damit sägt er erstaunlich filigrane Details heraus — Hände, Köpfe und Gegenstände sind oft nur klein und dünn. „Da muss ich mich sehr konzentrieren.“ Eine Installation mit vielen dieser Figuren gibt auch der gesamten Ausstellung ihren Namen: „Dicht an der Wahrheit.“

Beeindruckend daneben sind auch Kallweits Reliefs. Große Holzplatten bearbeitet er ebenfalls mit der Kettensäge, fräst Teile weg, lässt andere stehen. Daraus entstehen Bilder, die vor allem aus der Entfernung eindrucksvoll ausdrucksstark sind. „Marike“ beispielsweise zeigt ein Frauengesicht von der Seite. Ihr Haar fällt dynamisch, ihr Blick ist zufrieden und entspannt: „Das ist meine Tochter. Ich habe ein Foto von ihr in Schwarz/Weiß umgewandelt“, so Kallweit. Die schwarzen und weißen Flächen hat er dann analog umgewandelt in weggenommenes und stehengelassenes Holz.

Seine Frau Annett Kallweit hingegen zeigt ihre Schmuckkreationen. Diese verbergen alle eine gewisse Zweideutigkeit und viel Sarkasmus in sich. Und doch: „Die sind alle zum Tragen geeignet.“ Auch ihre ausgestellten Eheringe, mit denen sie die Geschichte einer Partnerschaft beschreibt. Das eine Paar Ringe hat noch ein eckiges Loch. Auf dem Silber sitzen zwei Gestalten entfernt voneinander. „Mit dem Alter wird die Beziehung dann geschliffen“, so Kallweit. Auf den nächsten Ringen sitzen die Gestalten so zusammen und die Löcher des Rings sind angenehm rund geschliffen.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 12. Mai in der BKG in der Hofaue 55, immer samstags und sonntags von 11 bis 14 Uhr. Die Ausstellung soll einen kulturellen Fokus auf die Städtepartnerschaft zwischen Schwerin und Wuppertal legen. In Zukunft werden häufiger Schweriner Künstler zu sehen sein. Und auch die BKG wird sich dafür in Schwerin präsentieren.