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Exotische Klangwelten im Park: So fremd und doch so vertraut

Exotische Klangwelten im Park: So fremd und doch so vertraut

Herr Hacke, Sie geben ein „Tonleiter“-Konzert, bei dem „zeitgenössische Klassik“ auf dem Programm steht. Dabei soll der Titel Programm sein: Weshalb befinden sich die Zuhörer im Skulpturenpark „zwischen den Welten“?

Gerald Hacke: Man könnte sagen, dass sich zunächst einmal die Komponisten der Werke, die wir aufführen, „zwischen den Welten“ befunden haben, als sie diese komponierten. Der chinesische Komponist Tan Dun zum Beispiel ging 1986 nach New York und hatte damals den ersten Kontakt mit der westlichen Idee der Atonalität. Diese „vermischte“ er mit dem „alten“ Material seiner Kultur — geprägt unter anderem auch von der Peking-Oper. Dabei ging er mit seinen „chinesischen Farben“ einen ganz eigenen frischen Weg. Wenn unsere Gäste diesem neuen Weg beim Hören der Werke folgen, befinden auch sie sich am Konzertabend „zwischen den Welten“.

Sie stellen — neben anderen — auch Werke von Zhou Long vor. Der Chinese lebt in den USA und erhielt 2011 den Pulitzerpreis für seine Oper „Madame White Snake“. Zhou Long ist nicht nur ein ausgezeichneter Komponist, er kann vor allem auch als musikalischer Brückenbauer gelten. Was unterscheidet westliche von chinesischen Klangwelten?

Hacke: Spannend sind weniger die Unterschiede als vielmehr die neuen Farben, die es bei den Komponisten des Abends und ihren Werken aus diesen uns doch eher fremden Kulturen zu entdecken gibt.

Mit welchen Stücken kombinieren Sie Zhou Longs westlich-chinesische Mischung?

Hacke: Wir spielen neben den Werken der beiden chinesischen Komponisten zwei sehr unterschiedliche Kompositionen des Koreaners Isang Yun. Beim Japaner Toru Takemitsu war es die frühe Begeisterung für die französischen Komponisten wie Debussy und Messiaen, die man in einem seiner ersten Werke (Distance de Fée für Violine und Klavier) sehr gut hören kann. Und die folkloristischen Anklänge in der Musik des türkisch-amerikanischen Komponisten Kamran Ince vermitteln einem, dass man als Komponist einer anderen Kultur seine eigene Exotik nicht verlieren oder aufgeben muss, sondern — im Gegenteil — gerade daraus neue, spannende und für unsere Ohren überraschenderweise gleichzeitig fremd wie vertraute Musik schaffen kann.