Erfolgsaktion: Die „Operation Orgel“ ist geglückt

Erfolgsaktion: Die „Operation Orgel“ ist geglückt

Alte Kirche Wupperfeld: Am Sonntag wird die Renovierung des Instruments gefeiert.

Wuppertal. Das große Engagement von Gemeindegliedern und Musikern hat sich gelohnt: Die Orgel der Alten Kirche Wupperfeld erklingt wieder in vollem Ton.

Vor einem Jahr noch führte das völlig marode Instrument ein Eigenleben - manche Töne gingen gar nicht, andere hingegen pfiffen ohne Stop und im Silvestergottesdienst streikte die Orgel völlig. "Ich war erstaunt, dass man die noch spielen konnte", lautet denn der lakonische Kommentar des Velberter Orgelbauers Christoph Neuhaus.

Mit Pfeifen-Patenschaften, Benefizkonzerten und Spendenaufrufen hatte die Gemeinde schließlich den größten Teil der veranschlagten Renovierungssumme von rund 100000 Euro zusammen. Den Rest zahlte übergangsweise die Gemeinde - in der Hoffnung auf weitere Sponsoren.

Anfang Februar machte sich der Orgelbauer daran, das Instrument in alle Einzelteile zu zerlegen. Die größten Pfeifen mit rund vier Meter Länge wurden direkt auf der hohen Orgelempore gereinigt, die kleineren die enge Stiege herunter transportiert. Erst nach dem Abbau der Pfeifen wurde der Zustand des Instruments völlig offenbar: "Es sind einige unerwartete Dinge aufgetaucht", sagt Neuhaus.

So wurden offenbar vor rund 20 Jahren schon einmal mäßig fachgerechte Reparaturen ausgeführt. Außerdem zeigte es sich, dass manche Trakturteile - also die Verbindung zwischen den Tasten und den Pfeifen - zerbrochen waren. "Die hingen nur noch an Fasern."

Die Grundsubstanz, die Trakturen und die Windanlage, sei allerdings sehr solide, lobt der Orgelbauer. Auch als Typ sei das Instrument erhaltenswert: "Es ist ein Übergangsinstrument zwischen der romantischen Orgel und der Rückbesinnung auf den Barock", betont Neuhaus.

Nachdem er die Pfeifen neu intoniert, die Windkanäle wieder abgedichtet und die elektromechanische Eigenbau-Steuerung von 1952 durch eine elektronische ersetzt hat, entdeckt Kantor Matthias Lotzmann neue Qualitäten: "Vorher klang alles flötig, jetzt haben alle 33 Register einen charakteristischen Klang. Ich bin Herrn Neuhaus sehr dankbar für seine einfühlsame Leistung." Sogar eine neue Pedalklaviatur und Orgelbank hat der Orgelbauer der Gemeinde gestiftet.

So steht die Orgel jetzt wieder einsatzbereit auf ihrem Platz über dem Altar. "Wir brauchen das Instrument, um die Gemeinde im Gottesdienst führen zu können", betont Lotzmann. "Ein Klavier oder die Truhenorgel kann das nicht leisten." Außerdem möchte er die Kirchenmusik in der Alten Kirche Wupperfeld weiter beleben. Der Evensong, ein Gottesdienst ohne Predigt, aber mit Lesung und Musik am Samstagabend, sei sehr beliebt, ebenso das Stundengebet.

Doch auch die Wupperfelder Abendmusiken sollen fortgeführt werden und die Bergische Kantorei soll ihre Konzerte dort veranstalten. Großes plant Lotzmann für 2010: "Ich möchte das komplette Choralwerk Bachs unter Einbeziehung der Gemeinde im Laufe des Jahres aufführen." Ein Vorhaben, bei dem die Orgel wichtige Dienste leistet.

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