1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Emotionale Figuren unter der Lupe: Elektra im Taltontheater

Emotionale Figuren unter der Lupe: Elektra im Taltontheater

Jens Kalkhorst zeigt eine von Hass und Verzweiflung zerfressene Elektra.

Wuppertal. Die Stimme von Elektra klingt, als käme sie aus einer Gruft. Ihre verkrampften Hände wirken wie Krallen. Jens Kalkhorst zeigt im Taltontheater ein von Hass und Verzweiflung zerfressenes Bündel Mensch.

Foto: Theater

Hugo von Hofmannsthal konzentriert in seinem Einakter „Elektra“ den antiken Mythos auf die Beziehung zwischen der Königin Klytemnästra, die ihren Mann nach seiner siegreichen Heimkehr aus dem Krieg erschlug, und ihren beiden von ihr erniedrigten Töchtern Elektra und Chrysothemis. Diese von heftigen Emotionen geschüttelten Menschen zeigt Kalkhorst quasi unter der Lupe. Sie agieren auf einem Karree aus Metallplanken, an beiden Seiten begrenzt von steilen Schrägen. Die Figuren entkommen einander nicht, so sehr sie auch immer wieder versuchen, die Abhänge zu erklimmen.

In den Hintergrund hat Bühnenbildner Rüdiger Tepel einen Turm aus den Planken gebaut: Kalt und erbarmungslos schaut Klytemnästra (Sarah Kocherscheidt) von dort auf ihre Töchter herab, um im nächsten Moment verzweifelt bei ihnen Erlösung von ihren Alpträumen zu suchen. Auf einen hart aufknallenden Stock gestützt humpelt sie über die Bühne — eine völlig aus dem Gleichgewicht gestoßene Frau.

Angela del Vecchio spielt die verstörte Elektra mit einer unglaublichen Intensität. Sie duckt sich aus Furcht vor den anderen Schlossbewohnern, die sie trotzdem immer wieder an das Verbrechen ihrer Mutter erinnert. Sie macht die tiefen Rachegelüste deutlich — und gleichzeitig die Verlorenheit des kleinen Mädchens, das den grausamen Mord anschauen musste.

Während die beiden dunklen Figuren Elektra und Klytemnästra in Schwarz gekleidet sind, trägt die Schwester Chrysothemis (Marlene Meissner) ein weißes Kleid. Sie möchte am liebsten alles vergangene Unheil vergessen und ein ganz normales Frauenleben führen. Dienerinnen in den gleichen schlicht-abstrakten Kleidern heizen die Stimmung zusätzlich an, tuscheln und tratschen. Schrill tönt dazu die Musik von Benjamin Britten.

Erst der lange verschollene Bruder Orest (Maurice Kaeber) bringt schließlich die fürchterliche Erlösung, die jedoch keine wirkliche ist: Am Ende türmen sich die Leichen.

Trotz des düsteren Themas spendete das Publikum anschließend begeistert Applaus für die beeindruckende Darstellung.