Else Lasker-Schüler und der Leopardenbiss

Else Lasker-Schüler und der Leopardenbiss

Ein Almanach lässt das Leben der Dichterin in neuem Licht erscheinen.

Wuppertal. Pünktlich zum 20-jährigen Bestehen der Wuppertaler Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft ist der Jubiläums-Almanach „Jeder Vers ein Leopardenbiss“ erschienen. Er enthält bislang unbekannte Zeitzeugenberichte, neue Forschungsgrundlagen und Vorträge, die bei den Else-Lasker-Schüler Foren in Wuppertal (2008), Berlin und Catania (2009) und Tel Aviv (2010)gehalten wurden.

In den aktuellen Beiträgen widmet sich das Buch dem literarischen Mentor der Lasker-Schüler im Berlin um 1902: Peter Hille war als Dichter, Kabarettist und Vagantenpoet dominierend in der Neuen Gemeinschaft, der ersten Literaten-Kommune in Berlin. Nils Rottschäfer stellt den Briefwechsel im Kapitel „Lieber St. Petrus — „Liebe Tino“ vor.

Ebenso lesenswert sind die Beiträge der vorangegangenen Foren, etwa Heinz Röllekes Vortrag mit dem titelgebenden Zitat aus einem Lasker-Schüler-Gedicht in Catania. Hierin spricht er über die Beziehung des Prinzen von Theben zu Giselher, das sind Else Lasker-Schülers Gedichte, die sich Prinz von Theben nannte in ihrer Begegnung mit Gottfried Benn, den sie als Giselher betitelt.

Auch die Ausstellung „Else-Lasker-Schüler — Die Bilder“ in Frankfurt und Berlin mit Werkanalysen (Erika Klüsener) und dem Interview mit der Kuratorin Ricarda Dick wird reflektiert. Ergänzt wird der Almanach mit einem Foto-Anhang als Kaleidoskop über 20 Jahre Else Lasker-Schüler-Gesellschaft Wuppertal.

Herausgeber Hajo Jahn zitiert in seinem Vorwort eine Künstlerin, die bemängelt, dass die Heimatstadt der Dichterin mit dem Von der Heydt-Museum es noch nicht geschafft habe, ihr bildnerisches Werk auszustellen. Ebenso vermisst Jahn eine nationale Einrichtung für die staatlich verfolgten Künstler und andere Intellektuelle der NS-Diktatur und der DDR.

Der 494 Seiten starke Almanach ist ein interessantes, reich bebildertes Lesebuch, das den am Leben und an der Forschung um die Elberfelder Dichterin Interessierten nicht nur zum chronologischen Vorgehen, sondern auch zum stöbernden Lesen verführt. Man kann es dann nicht mehr aus der Hand legen.

“ „Jeder Vers ein Leopardenbiss“ ist — mit einem Titelbild von Wolf Erlbruch — im Wuppertaler Peter Hammer Verlag und kostet 22 Euro (ISBN 978-3-7795-0360-6). “Vorgestellt wird der Almanach am am 16. November um 20 Uhr in der Buchhandlung Köndgen, Werth 79.

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