Ein Umbruch in halben Schritten

Ein Umbruch in halben Schritten

Personelle Veränderungen im Wuppertaler Tanztheater

Als Pina Bausch 2009 überraschend starb, sagten die wenigsten ihrem Tanztheater eine lange Lebenszeit voraus. Die künstlerische Übermutter war nicht mehr da. Was sollte nach ihr kommen? Die Kompanie hat alle Skeptiker Lügen gestraft. Sie hat nicht nur weitergemacht, sie hat sich auch in die Herzen der Kinozuschauer getanzt. Nach Wim Wenders’ „Pina“-Hommage auf der Leinwand begeisterten die Wuppertaler geballt auf internationaler Bühne — im kulturellen Rahmenprogramm der Olympischen Spiele in London.

Doch Erfolg hat auch immer eine Kehrseite. Wenn man von einem Höhepunkt zum anderen sprintet, kostet das nicht nur viel Kraft. Am Ende stellt sich auch unweigerlich die Frage: Wie kann das alles noch getoppt werden?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass so mancher nach dem großartigen Gastspiel-Marathon in London in ein sprichwörtliches Loch gefallen ist. Gleichzeitig wird bei vielen Tänzern der Wunsch immer größer, ein zweites Standbein zu haben, neue Wege zu beschreiten, gar eigene Choreografien zu erarbeiten. Andere wiederum signalisierten mit Blick auf ihr Alter, dass sie kürzer treten möchten. Zerfällt das renommierte Ensemble?

Tatsache ist: Auf Drängen der Ensemblemitglieder wird gehandelt. Der Ruf nach einem Umbruch wurde laut — und erhört. Dass er ernst genommen wurde, ist ein gutes Zeichen. Wer auf einen richtigen Neubeginn gewartet hat, wird jedoch vertröstet. Dass es bis 2015 keine Neuinszenierung gibt, ist enttäuschend. Es war zwar richtig, dass 2009 keine vorschnellen Entscheidungen getroffen wurden. Andererseits: Vier Jahre sollten genug Zeit sein, um mehr als eine Zwischenlösung zu präsentieren.

Lutz Förster an sich ist eine sehr gute Wahl — keine Frage. Aber es wird Zeit, dass gänzlich neue Impulse kommen. Sonst wird das Erbe von Pina Bausch nicht auf Dauer lebendig gehalten, sondern ihr Theater am Ende doch zum musealen Ort.

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