Melton Tuba Quartett beim Sinfonieorchester Ein Sinfoniekonzert mit einem Touch von Jazz und Filmmusik

Werke von John Stevens, Lepo Sumera und Rachmaninow standen auf dem Programm.

Das „Melton Quartett“ rückte die Tuba in den Mittelpunkt des Sinfoniekonzerts.

Das „Melton Quartett“ rückte die Tuba in den Mittelpunkt des Sinfoniekonzerts.

Foto: Andreas Fischer

Eine Tuba kennt man als Blechblasinstrument, das in der Regel hinten im Orchester platziert ist. Es gehört zur Familie der Hörner, man unterscheidet die Bass- und die Kontrabasstuba. Im Jahr 2024 ist die Tuba Instrument des Jahres. Solistisch tritt sie kaum in Erscheinung. Ganz anders am Sonntag beim 6. Sinfoniekonzert in der Historischen Stadthalle. „Grand Concerto 4 Tubas“, ein sinfonisches Werk von John Stevens (geb.1951), präsentierte gleich vier Tuben als Quartett, mal als Tenortuba, mal als Basstuba und mal als Kontrabasstuba. Es spielte das „Melton Tuba Quartett“ mit Heiko Triebener (Bamberger Symphoniker), Jörg Wachsmuth (Dresdner Philharmonie), Ulrich Haas (ehemals Duisburger Symphoniker) und Hartmut Müller (Sinfonieorchester Wuppertal).

Ein Klangereignis der besonderen Art, ein Tuba-Quartett, begleitet vom Sinfonieorchester Wuppertal, als Originalkomposition zu hören. Auch wenn bei dieser Matinée noch zwei andere, attraktive Werke aufgeführt wurden, Lepo Sumeras „Sinfonie Nr.1“ und Sergej Rachmaninows „Sinfonische Tänze op.45“, beeindruckte der Auftritt der vier Musiker in Stevens Sinfonie ganz besonders. Zwischen tonal und freitonal angesiedelt, mit einem Touch von Jazz und Filmmusik, bewiesen die vier Solisten, wie differenziert man dieses große und zugleich tiefste Blasinstrument präsentieren kann. Der Ton baut sich dezent auf, eher gedämpft, aber präzise, farbig und durchaus virtuos. Die solistische Kraft entfaltet sich, weil gleich vier Instrumente die vorhandenen Höhen wie die extremen Tiefen zelebrieren.

Sehr spannungsreich gelang Stevens lyrische „Ballade“, mit charmanten Höhen, sanften Klängen in der Mittellage und dem tiefsten Kontrabasstuba-Ton, den man je gehört hat, der so schön zelebriert wurde, dass mancher Zuhörer schmunzeln musste. Zwei Zugaben, Rossinis Ouvertüre der Oper „Wilhelm Tell“ und Louis Armstrongs “A wonderful world“, arrangiert für vier Tuben, begeisterten die Zuhörer, nicht nur wegen der schmissigen, sondern auch einfühlsamen Spielweise, verbunden mit einer emotionalen Botschaft, nämlich mit Hilfe der Musik den Augenblick zu genießen, insbesondere ein friedliches und buntes Miteinander aller Menschen auf dieser Welt: „What a wonderful world“.

Prachtvolle Performance und „sinfonische Dichtungen“

Eingerahmt wurde die prachtvolle Performance von zwei Werken der Gattung „sinfonische Dichtung“. Stevens zweisätzige „Sinfonie Nr. 1“ fängt mit orchestral bombastisch dargestellten Glockenschlägen an, entwickelt sich großflächig von zarten, zögerlich suchenden Klangfetzen, über ein Herantasten an neue Klangwelten, beginnend mit Holzbläsern, über zarte Streicherklänge bis hin zu einem orchestralen Tutti-Klangrausch. Die musikalische Entwicklung weist kompositorisch wenig traditionelle, tonale und motivische Gestaltung einer Sinfonie auf. Vielmehr ist in diesem Stück – dessen erster Satz nur die Metronomangabe „Viertel = 72“ und zweiter Satz „Viertel = 60-84“, mit dem Zusatz „Allegro“ angibt – die Klangentwicklung als ein organisch und dynamisch sich entwickelndes Klang-, man kann auch sagen, Naturereignis zu betrachten. Es gibt keine Tonsprache, die, wie in herkömmlichen Sinfonien, Trauer, Freude, Friede, Dialoge oder dramatische Zwietracht artikuliert. Wenn, dann sind es räumliche Dimensionen wie ferne, entrückte Klänge oder sich kraftvoll entwickelnde und immer näher kommende Klangbilder, wie ein Orkan oder ein aufbrechender Vulkan. Der Zuhörer wird gefordert, kreativ zu hören,  seine eigenen inneren Klangbilder selber zu erarbeiten.

In all diesen Stücken, auch in Rachmaninows „Sinfonischen Tänzen“, ist letztendlich wenig von sinfonischen Tänzen zu spüren. Ob ein Tango oder eine Tarantella (Stevens) oder ein Walzer (Rachmaninow), immer werden die Taktarten und Rhythmen als Tonmaterial benutzt oder verfremdet. Dennoch hat die emotionale Kraft Rachmaninows mal aufwühlende, mal düstere, mal beruhigende Momente. Am Ende dominierte ein kraftvolles, tolles Finale, von Tanz war da nichts mehr zu spüren.

Das Publikum war  dennoch  hingerissen. Es gab großartigen Applaus.

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